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Provenienzforschung und Restitutionen

Die USB hat in ihrem Bestand bereits unterschiedliche Bücher ermittelt, die in verschiedenen Unrechtskontexten in die Bibliothek gelangt sind. In diesem Zusammenhang wurde bereits eine Reihe von Restitutionen vorgenommen.

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  • Auf dem Foto ist eine Person in einem Bibliotheksmagazin. Die Frau steht vor einem Regal, das mit vielen alten Büchern gefüllt ist. Die Bücher haben unterschiedliche Größen und Farben, einige von ihnen haben abgenutzte Einbände, was darauf hindeutet, dass sie sehr alt sein könnten. Einige der Bücher sind mit Etiketten versehen, auf denen "BACH" steht. Die Person trägt ein schwarzes Shirt und eine Brille. Sie berührt eines der Bücher im Regal leicht mit ihrem rechten Zeigefinger, als ob sie es identifizieren oder herausnehmen möchte. Die Person wirkt konzentriert und interessiert. Die Bibliothek selbst hat ein klassisches Aussehen mit weißen Wänden und mehreren Regalen, die alle mit ähnlichen alten Büchern gefüllt sind. Der Raum wirkt ordentlich und gut organisiert. Großansicht:
    Lucia Müller, Altbestand-Katalogisiererin in der USB Köln, ist durch den Besitzstempel auf die Herkunft des Bandes aufmerksam geworden. Foto: USB Köln
  • Das Bild zeigt einen Stempelabdruck auf einem Stück Papier. Der Stempel ist rund und enthält Text sowie ein Symbol in der Mitte. Text: Der Text im Stempel lautet "GRÄFL. STOLTZ BIBLIOTHEK ZU ROSSLA" und umgibt das zentrale Symbol. Der Text ist in Großbuchstaben geschrieben und verläuft entlang des Randes des Stempels.  Symbol: In der Mitte des Stempels befindet sich ein Hirsch vor einer Säule. Das Symbol ist detailliert gezeichnet. Farbe: Der Stempelabdruck ist in einer blauen Farbe gehalten, die deutlich vom hellen Hintergrund des Papiers absteht.  Maßstab: Unter dem Stempelabdruck befindet sich ein Maßstab, der die Größe des Abdrucks anzeigt. Der Maßstab reicht von 0 cm bis 2 cm und gibt einen genauen Eindruck von den Abmessungen des Stempels. Großansicht:
    Besitzstempel der Graeflich-Stolbergische Bibliothek Rossla Foto: provenienz.gbv.de
  • Das Bild zeigt einen lächelnden Mann, der in einer Bibliothek steht. Er hält ein Buch in seinen Händen. Der Hintergrund ist mit hohen Regalen gefüllt, die mit alten Büchern in Lederbindungen bestückt sind. Die Bücher haben verschiedene Größen und zeigen komplexe Muster und Verzierungen auf den Einbänden. Der Mann steht vor einem Regal und das Licht einer nahegelegenen Lampe erhellt die Szene. Die Atmosphäre wirkt historisch und akademisch, was auf eine spezialisierte oder alte Bibliothek hindeutet. Die Gesamtstimmung des Bildes ist freundlich und einladend, mit einem Fokus auf Wissen und Forschung. Großansicht:
    Alexander Fürst zu Stolberg-Roßla Foto: Emilia Prinzessin zu Stolberg-Roßla

Januar 2026 – Rückgabe an die Fürstlich Stolberg-Roßlasche Bibliothek

Entdeckung eines auffälligen Stempels
Bei der Katalogisierung neu aufgenommener Bücher achten wir besonders auf Hinweise früherer Besitzer, wie Autogramme, Stempel oder Etiketten. Diese Spuren werden sorgfältig in unserem Katalog dokumentiert. Während der Bearbeitung eines Bandes aus der Sammlung Georg Andreas und Gerlinde Bachem entdeckte unsere Altbestand-Katalogisiererin Lucia Müller einen auffälligen Stempel: „Gräfl. Stolb. Bibliothek z. Rossla“.

Recherche und historische Zusammenhänge
Ihre anschließende Recherche ergab, dass Bücher mit demselben Stempel bereits in der Bibliothek des Händel-Hauses in Halle identifiziert wurden – und dort als unrechtmäßiger Besitz eingestuft worden waren.

Nicht nur während des Nationalsozialismus gelangten Bücher auf unrechtmäßigem Weg in Bibliotheken. Ab 1945 kam es in der Sowjetischen Besatzungszone zu einer umfassenden Bodenreform. In diesem Zusammenhang wurde der damalige Fürst zu Stolberg-Roßla ohne Entschädigung enteignet. Das Schloss Roßla ging in den Besitz der Gemeinde über, und die umfangreiche Hofbibliothek wurde ebenfalls enteignet. Teile dieser Bibliothek wurden später auch nach Westdeutschland verkauft.

 

Die Spur des Buches
Ein Exemplar aus dieser Sammlung gelangte in den Besitz des privaten Sammlers Georg Andreas Bachem. Mit der Übernahme der Sammlung Georg Andreas und Gerlinde Bachem kam das Buch schließlich in unseren Bestand.

Rückgabe und Wiederherstellung der Fürstenbibliothek
Alexander Fürst zu Stolberg-Roßla bemüht sich aktiv um die Wiederherstellung seiner ursprünglichen Bibliothek und hat bereits über 8.000 Bände zurückerhalten. Die USB hat die Fürstenbibliothek bereits im November 2025 freiwillig um den Band „Die Rheinische Konföderations-Akte, oder der am 12. Juli 1806 zu Paris abgeschlossene Vertrag“ von 1808 ergänzt.

Diese Entdeckung zeigt einmal mehr die Bedeutung gründlicher Recherchearbeit bei der Katalogisierung von Büchern und die historische Verantwortung von Bibliotheken bei der Restitution unrechtmäßig erworbener Bestände.
 

Exlibris Elise und Helene Richter

November 2014 - Restitution der Richter-Bibliothek

Was jahrelang unmöglich schien, konnte schließlich doch noch realisiert werden: die Restitution der in der USB Köln befindlichen Bücher von Elise und Helene Richter. Dank der professionellen Unterstützung durch den Historiker Dr. Max Bloch gelang es, Kontakt zu den in England lebenden Erben der Wiener Schwestern aufzunehmen. In diesem besonderen Fall einer Restitution an insgesamt drei Erben hat sich die USB vom Justiziariat der Universität beraten lassen. Im Einvernehmen mit den Erben wurde beschlossen, einen finanziellen Ausgleich zu leisten. Dazu wurde der in der USB befindliche Torso der ehemaligen Richter-Bibliothek von einem vereidigten Schätzer untersucht und bewertet. Die rund 550 sprachwissenschaftlichen Bücher bleiben der Universität somit weiterhin für Lehre und Forschung erhalten. Von den Erben wurde die Restitution als "to be a fair and just solution relating to the matter of the Nazi confiscation of their library" beurteilt.

Publikationen zur Restitution der Bibliothek Elise und Helene Richter:

Hoffrath, Christiane: Bücherspuren – das Schicksal von Elise und Helene Richter und ihrer Bibliothek im "Dritten Reich",
2. durchgesehene und ergänzte Auflage, Köln 2010, 225 S., ISBN 978-3-412-20651-2, € 39,90

Presseartikel:

Crossland, David: Germans pay for Nazi library
In:The Times Europe, Berlin, (Online-Version) 26.11.2015

Kiepels, Sandra: Universität gibt Raubgut zurück: Kölner Bibliothek profitierte vom NS-Regime - Langwierige Suche nach den Erben
In: Kölner Stadt-Anzeiger, 24.11.2015, S. 19 (Druckversion)
Online-Version u.d.T.: Universität Köln gibt Nazi-Raubgut zurück, 24.11.2015

 

Exlibris Bruno Marwitz

2014, Juli - Rückgabe an den Enkel von Bruno Marwitz

[Exlibris von Bruno Marwitz]

Bruno Marwitz (16.6.1870-23.11.1939) war ein jüdischer Rechtsanwalt, der mehr als 40 Jahre lang am Landgericht Berlin zugelassen war. Daneben schrieb Marwitz rechtswissenschaftliche Werke, darunter grundlegende Kommentare zum deutschen Urheberrecht. 1933 entzogen ihm die Nationalsozialisten zunächst das Notariat, bevor 1938 das Berufsverbot erfolgte. Der Büchersammler und Bibliophile wurde als einer der so genannten "Anwälte ohne Recht" aus den bibliophilen Vereinigungen in Deutschland ausgeschlossen. Bruno Marwitz starb 1939 in Berlin. Seine Witwe Helene, geb. Pniower (1875-1942) wurde 1942 bei einem Fluchtversuch an der Schweizer Grenze festgenommen und deportiert. Unmittelbar nach ihrer Ankunft im KZ Riga wurde sie ermordet.

Das Buch "Les Amours du Chevalier de Faublas" von Louvet de Couvray, vol. 3, Paris: Tardieu, 1821 mit dem Exlibris von Bruno Marwitz wurde als Geschenk in die USB Köln eingeliefert. Der Schenker ist leider nicht bekannt. Die USB Köln restituierte das Buch an den Enkel von Bruno und Helene Marwitz, Dan (Daniel) Marwitz in Haifa, Israel.
Durch die Recherchen der USB ist es auch den Bibliotheken der FU Berlin und der UB München möglich, die dort vorhandenen Bücher aus der Bibliothek von Bruno Marwitz zu restituieren.

Besitzstempel Franziskanerkloster Vossenack

2013, Oktober - Rückgabe an Franziskanerkloster Vossenack

Der USB hat dem Franziskanerkloster Vossenack in Hürtgenwald das Buch "Ferdinand Doelle: Das St. Johannis-Hospital in Bonn: Festschrift zu seinem 75jährigen Bestehen 1849-1924. Bonn: Verl. des Johannishospitals, 1924" zurückgegeben. Der Band weist den Besitzstempel des bis 1968 bestehenden Franziskanerklosters auf dem Kreuzberg in Bonn auf. Das Buch wurde 1941 in der USB Köln inventarisiert. Wie es in die Kölner Bibliothek gelangt ist, ist unklar. Im Kontakt mit dem Kloster Vossenack konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob die Bonner Niederlassung in der NS-Zeit aufgehoben wurde. Vermutlich war die Bibliothek jedoch ungeschützt, da die Franziskanermönche zum Militär eingezogen worden waren. Die Aufnahme des Buches in den Bestand der USB legt den Verdacht nahe, dass es sich hierbei um "NS-Raubgut" handelt.

 

Michel de Montaigne: Essais, Paris: Didot, 1802

2013, August - USB Köln restituiert Bücher an die Jüdische Gemeinde zu Berlin

[Eingang des Jüdischen Gemeindehauses in Berlin]

Zuletzt konnten wir zwei Montaigne-Bände an die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zurückgeben. Es handelt sich um die Bände drei und vier der Ausgabe: Michel de Montaigne: Essais, Paris: Didot, 1802. Die Bücher entstammten der Bibliothek des 1869 in Leipzig gegründeten Deutsch-Israelischen Gemeindebundes (D.I.G.B.), der 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurde.
Trotz des Versuchs, die Besitzstempel auf den Titelblättern der Bände durch Ätzung unkenntlich zu machen, konnte neben dem Bibliotheksstempel auch der Stempel des Schenkers an den D.I.G.B entziffert werden. Es handelt sich um Ernst Josef Marcus aus Burgsteinfurt, dessen Hausrat und Kunstbesitz 1936 zusammen mit dem Besitz von Dr. Albert Goette aus Burgsteinfurt in Köln versteigert wurde.
Der Mützenfabrikant Marcus (geb. 22.08.1895) emigrierte mit seiner Familie am 14. Juni 1937 nach Amsterdam. Seine Mutter (?) Dora Marcus, geb. Weingarten (geb. 09.09.1874) wurde am 5. Oktober 1942 in Auschwitz ermordet. (Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945. Koblenz: Bundesarchiv, 1986).

 

Die USB erwarb die beiden Bände (die Bände 1 und 2 fehlen) im Jahr 1955 als Teile einer gekauften Privatsammlung.
In der Bibliothek des Jüdischen Gemeindehauses werden heute die Überreste der Bibliotheken von jüdischen Privatpersonen, Institutionen und Firmen auch über Berlin hinaus gesammelt. So sind der Bibliothek in den letzten Jahren viele Bücher zurückgegeben worden, die zumeist aus privatem Besitz stammten. Die beiden Montaigne-Bände aus Köln haben bislang den weitesten Weg nach Berlin zurückgelegt.
Vor der Rückgabe wurden die Bücher digitalisiert, so dass sie über den Katalog der USB weiterhin als E-Books zur Verfügung stehen.

Rückgabe von vier Bänden an die Bibliothek der Steyler Mission in St. Augustin

2012 - Restitution von Büchern an die Bibliothek der Steyler Missionare in Sankt Augustin

Am 14. Dezember 2012 konnte die USB Köln vier Bücher an den Bibliothekar der Bibliothek der Steyler Mission in St. Augustin zurückgeben. Die Bände aus der Missionsbibliothek waren in den Jahren 1942 und 1943 in der USB als "Geschenke" inventarisiert worden. Der gesamte Klosterbesitz wurde 1941 von der Gestapo beschlagnahmt. Im folgenden Jahr forderte der Oberfinanzpräsident Köln die Direktion der USB auf, sich mit der Bonner Gestapostelle in Verbindung zu setzen, um die Bibliothek zu besichtigen. Als die Kölner Bibliothekare eintrafen, fanden Sie allerdings nur noch Reste der zuvor bereits abtransportierten Bibliothek vor. Wie viele Bände insgesamt in den Bestand der USB übernommen wurden, ist unklar.
Weitere Informationen in: Christiane Hoffrath: Bibliotheksdirektor im Nationalsozialismus. Hermann Corsten und die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Köln: USB, 2012.

Rückgabe von zwei Bänden der ehemaligen Bibliothek der Freien Gewerkschaften Kölns

2009 - USB Köln restituiert beschlagnahmte Gewerkschaftsbücher

[Geraubt - Verschollen - Wiederentdeckt]

2009 konnte die USB erstmalig NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut restituieren. Es handelt sich bei den beiden Bänden um Bücher, die ursprünglich der Bibliothek der Freien Gewerkschaften Kölns gehörten. Am 2. Mai 1933 wurden deutschlandweit Häuser der Freien Gewerkschaften von den Nationalsozialisten überfallen und ausgeraubt. Auch das Volkshaus, Sitz der Freien Gewerkschaften Kölns in der Severinstraße, blieb nicht verschont. Die einstmals umfangreiche Bibliothek wurde zerstört. Zwei Exemplare – die einzigen bislang – sind in der USB Köln entdeckt worden. Im Auftrag der Universität zu Köln und mit dem Einverständnis der Stadt Köln gab die USB diese Bände an die Friedrich-Ebert-Stiftung als Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Gewerkschaften zurück.

 

Anläßlich der Übergabe der beiden Bände, am 1. September 2009, hielt der Leitende Bibliotheksdirektor der Friedrich-Ebert-Stiftung Herr Dr. Rüdiger Zimmermann den Vortrag: "Geraubt, Verbracht, Gerettet. Das Schicksal der Arbeiter- und Gewerkschaftsbibliotheken nach 1933". Der Festakt wurde von einer Ausstellung zum Thema begleitet die bis Mitte Oktober zu sehen sein wird.

Pressestimmen:
Kölner Stadtanzeiger, 02. September 2009

 

Ansprechpartner*innen für NS-Provenienzforschung und Restitutionen: