2. Juli bis 30. September 2026
Ein Buch für jedes Jahr – Die Jagd nach dem Besonderen
Der Kölner Bibliophile Georg Andreas Bachem (1924–2010) und seine Frau Gerlinde Bachem sammelten historische Drucke von außergewöhnlicher Provenienz, Einbandgestaltung, Seltenheit und historischer Relevanz. Ihr Ziel: Aus jedem Jahr der Buchdruckgeschichte ein Werk zu besitzen.
Nach seinem Tod schenkte Gerlinde Bachem 2011 der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln die Büchersammlung ihres Mannes, wodurch sie für die Öffentlichkeit zugänglich wurde.
Die Sammlung Georg Andreas und Gerlinde Bachem in der USB Köln
Georg Bachem legte Wert auf Werke von außergewöhnlicher Provenienz, Einbandgestaltung, Seltenheit und historischer Relevanz. Seine Leidenschaft für historische Drucke war kein Zufall – er war von Beruf Statiker und Bauingenieur, aber auch ein autodidaktischer Historiker und Linguist. Sein Spezialgebiet waren die keltoromanischen Sprachen, was sich in seiner Sammlung widerspiegelt, etwa durch Drucke aus Spanien und Portugal.
Über Jahrzehnte hinweg erwarb Bachem gezielt auf Auktionen, Messen, über Händlerkataloge und in Antiquariaten national und international seltenen und wertvollen Drucke. Dabei scheute er keine finanziellen Aufwendungen. Insgesamt gelang es ihm, etwa 900 historische Drucke zusammenzutragen, von denen viele weltweit einmalig sind.
Öffentlich zugänglich: Die Bachem'sche Sammlung in der USB
Nach dem Tod Georg Bachems wurde die Sammlung 2011 von seiner Frau der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln geschenkt. Erst durch diese Übergabe wurde die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich. Heute sind die Werke im Bestand der USB Köln erschlossen und einsehbar – ein privates Lebensprojekt, das nun Teil des öffentlichen Wissensraums ist.
Zur Sammlung Georg Andreas und Gerlinde Bachem.
Highlights der Bachem'schen Sammlung
Der sammelnde Papst:
Auf dem Einband ist das Wappen von Papst Alexander VII. (1655-1667) eingeprägt. Das Buch stammt aus seiner Privatbibliothek die heute unter dem Namen „Biblioteca Chigiana“ bekannt ist. Alexander VII. galt als Humanist und Förderer der Künste. Das hier vorliegende Buch von 1656, gedruckt in Antwerpen stammt von Sidronius Hosschius, einem niederländischen Poeten und Jesuiten. Es enthält Elegien, also Gedichte, die an den Papst persönlich vom Autor gewidmet sind.
Eine orientalische Handschrift
Georg Andreas Bachem erwarb diese Handschrift im Jahr 1967 auf einem Basar in Istanbul für damals 300 DM. Es handelt sich um ein vermutlich safawidisches Koranmanuskript aus dem 18. Jahrhundert mit Lackdeckeln. Der Text setzt mit einem schiitischen Bittgebet ein, das dem vierten Imam, Zayn al-ʿĀbidīn (658–713), zugeschrieben wird. Die Informationen sowie die Transkription verdanken wir Daniel Budke, Orientalist und Jurist aus Bonn. Bachem erwarb das Manuskript ausschließlich aufgrund seines Einbands.
Kalender der anderen Art
Bachem erwarb diesen Kalender für das Jahr 1595 im Oktober 1969 über den Katalog des Züricher Antiquariats "L'Art Ancien" für 150 DM. Ein geringer Preis, wenn man bedenkt, dass weltweit kein anderes Exemplar nachgewiesen ist. Der Kalender enthält eine Liste mit Hinweisen an Tätigkeiten, die an bestimmten Heiligentagen, Feiertagen, bei Vollmond oder Halbmond besonders wirksam sind. Zu diesen Tätigkeiten gehören der Aderlass, der besonders am Ostertag empfohlen wird, das Abschneiden der Haare, das Einnehmen von Arzneien, das Abstillen von Kindern oder auch das Schlachten von Schweinen, welches symbolisch durch eine Axt dargestellt wird. Der Kalender stammt aus der Bibliothek des Adligen Franz von Thun und Hohenstein (1809-1870) dessen Familienbibliothek sich auf Schloss Tetschen nahe der Elbe in Tschechien befand.
Das königliche Kind
Das Wappen auf dem Einband weist das Buch als Eigentum von Louis Joseph Xavier de Bourbon aus, der einst als Thronfolger Frankreichs galt, jedoch 1761 im Alter von neun Jahren verstarb. Er war ein Enkel Ludwigs XV. und der ältere Bruder des späteren Ludwig XVI. Die 1758 erschienene *Topographie der Welt* war vermutlich als Lehrbuch für den Jungen gedacht.
Der Einband ist ein französischer Rokoko-Einband aus Paris, der 1758 angefertigt wurde. Es handelt sich um einen roten Marokko-Einband mit „décor à la dentelle“ und dem Wappen des Prinzen als Supralibros.
Aus dem spanischen Königshaus
Dieser Einband zeigt das Wappen der spanischen Königin Isabella II., die von 1833-1868 regierte. Somit stammte das Buch aus ihrer Privatbibliothek. In der Sammlung Bachem befinden sich von ihr zwei Exemplare. Ebenso von ihrer Schwester Luisa Fernanda (1832-1897) und deren Ehemann Antoine d’Orlean, dem Grafen von Montpensier (1824-1890), der zeitweise auf den spanischen Thron spekulierte. Hier treffen drei Mitglieder des spanischen Königshauses, die familiär, zeitlich und räumlich eng miteinander verbunden waren, in Form ihrer Bücher in einer Sammlung aufeinander.
Ausstellung im Kontext der Demokratieförderung
Wenn wir eine neue Ausstellung präsentieren, erinnern wir in einer Vitrine immer daran: Bibliotheken sind Orte, an denen Demokratie gelebt wird – durch Erinnerung, Anerkennung und Teilhabe.
Georg Andreas Bachem (1924–2010) erlebte als Angehöriger der Kriegsgeneration die Zeit des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg aus unmittelbarer Nähe. Die Ideologie des Regimes lehnte er entschieden ab. Aus diesem Grund sammelte er gezielt Bücher und Schriften, die sich kritisch mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzten oder ihm widersprachen. Seine Sammlung ist also nicht nur Zeugnis bibliophilen Interesses, sondern auch Ausdruck einer persönlichen Haltung und eines bewussten Erinnerns.
Im Rahmen der Ausstellung zur Bachem'schen Sammlung, präsentieren wir in Vitrine 6 Bücher, die sich mit politischen Dynamiken, Propaganda und den Grundlagen offener Gesellschaften auseinandersetzen.
Eine beispielhafte Auswahl:
Gustave Le Bon – Psychologie der Massen: Analysiert den Einfluss von Emotionen und Symbolen auf Massen.
Alexander D. Lindsay – Toleration and Democracy: Betont Toleranz und Meinungsfreiheit als Grundpfeiler der Demokratie.
Douglas Miller – Pas d'affaires avec Hitler!: Warnt vor den Gefahren wirtschaftlicher Abhängigkeiten als politische Machtinstrumente.
Ausstellungsort
Universitäts- und Stadtbibliothek Köln,
Universitätsstraße 33, 50931 Köln
1. OG
Öffnungszeiten
Unsere aktuellen Öffnungszeiten finden Sie hier.
Einlass - Hinweis
Selbstverständlich können Sie die Ausstellung auch ohne Bibliotheksausweis besuchen.
Wenden Sie sich bitte an das Sicherheitspersonal, das Sie dann ins Foyer lässt.
Lucia Müller: „Die bibliophile Sammlung Georg Andreas Bachem an der USB Köln“
Vortrag von Lucia Müller (PDF, 124 KB) anlässlich der Ausstellungseröffnung „Ein Buch für jedes Jahr – Die Jagd nach dem Besonderen“
Ausstellungsdauer: 2. Juli bis 30. September 2026
Ausstellungsort: Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.
Der Vortrag beleuchtet die Bachem-Bibliothek, eine Sammlung von europäischen Drucken, die Georg Andreas und Gerlinde Bachem über einen Zeitraum von 56 Jahren aufgebaut haben. Die Sammlung umfasst Werke aus dem 15. bis 20. Jahrhundert und zeichnet sich durch ein klares Sammelziel aus: die nahezu vollständige Abdeckung von Erscheinungsjahren zwischen 1470 und 1966.
Ansprechpartnerin
Lucia Müller
Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung