Jump to main content

24. Februar – 01. Juni 2026

Ornamentastisch - Dekoration in Buch und Architektur

Zur Ausstellung


Eine „Topographie“ der Oberfläche, die Haut der Architektur, das ornamentale Gefüge des Buches – ein Speicher von Sinneseindrücken und Emotionen ebenso wie eine Projektionsfläche scharfer Kritik: Ornament ist all das und weit mehr. Zwischen Funktion und Überschuss, Struktur und Wirkung, Ergon und Parergon prägt es seit der Antike die Wahrnehmung gestalteter Räume und Medien.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln und der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Sie präsentiert die Ergebnisse eines didaktischen Seminars zum Ornament in Buch und Architektur von der Antike bis zur Gegenwart. 

Untersucht werden die vielfältigen Funktionen, Bedeutungen und ästhetischen Strategien des Dekors in unterschiedlichen Epochen, Kulturräumen und Medien. Anhand ausgewählter architektonischer Beispiele und Objekte aus den Sammlungen der Universitäts- und Stadtbibliothek wird Ornament als zentrales Gestaltungsmittel sichtbar, das Wahrnehmung beeinflusst, Wissen ordnet, kulturelle Werte vermittelt und politische Aussagen transportiert.
Die studentischen Kurator*innen präsentieren vier verschiedene Ansätze zum Thema Ornament: die Wasserspeier mittelalterlicher Kathedralen als apotropäische Motive; Ironie und Humor als zeitlose Mittel der Kritik und Kommunikation; weibliche Figuren als architektonische Verzierung auf Jugendstilgebäuden sowie in Büchern und Zeitschriften; und schließlich pflanzliche Elemente in der zeitgenössischen Architektur als „vertikale Wälder“ und Ausdruck neuer ökologischer Prinzipien. Prof. Dr. Gabriella Cianciolo Cosentino

Vitrine 2 - Schutz und Schrecken

Ob Abwehr, Wächter oder Glaubenserinnerung: Apotropaia (griech.: Unheilsabwehrer) sind in der Architektur von jeher zu finden. Schon an griechischen Tempeln wachten sogenannte Gorgonenhäupter über Eingängen und Giebeln. Im Mittelalter verkörperten Fratzen, Masken, groteske Figuren und unendliche Muster Austreibung und Abschreckung des Bösen an Kirchen, Stadttoren sowie an Eigenheimen.
Besonders eindrucksvolle Beispiele für Apotropaia sind gotische Wasserspeier: Als funktionale Bauelemente zur Wasserableitung verwandeln sie sich zugleich in steinerne Wächter. Fratzenhafte Dämonen und groteske Tiergestalten sollten das Böse durch ihr eigenes abschreckendes Äußeres fernhalten. Hier wird das Funktionale zum symbolischen Schutzwall zwischen sakralem Innenraum und profaner Außenwelt. Andere Wasserspeier wirken wiederum als Sinnbild des aus dem Kirchengebäude fliehenden Bösen und zeigen damit den Schutz an, der dem Kirchenraum innewohnt.
Auch heute ist der Glaube an schützende Apotropaia nicht verschwunden – er hat nur seine Form verändert. Moderne Architektur und digitale Räume besitzen ihre eigenen „Wächter“: Kameras, Sicherheitstechnik und Firewalls versprechen Sicherheit. Auch Logos sowie Warn- und Hinweisschilder erfüllen heute eine ähnliche Funktion.

Vitrine 2 wurde konzipiert und umgesetzt von Lisa Fölling-Wonnemann, Claudia Holländer, Marie Hütter, Jan Joerißen, Martina Schmitz, Julia Scholl. Dabei erhielt die Gruppe "Schrecken" Unterstützung von den Auszubildenden in der Buchbinderei der USB Köln.

Vitrine 3 - Humor und Ironie

Dem Humor haftet oft etwas Oberflächliches an und doch haben sich Humor und Ironie im Ornament als bildliche Überzeichnungen von der Antike mit ihren Fresken, Vasen und Papyri über mittelalterliche Skulpturen und Buchmalereien bis in unsere Tage erhalten. Als Beispiele aus der Frühen Neuzeit und der Aufklärung im 18. Jahrhundert seien die Buchillustrationen des Gargantua von Rabelais und das Titelblatt-Ornament der Erstausgabe von Voltaire’s Candide und Optimismus genannt. Auch in der politischen Karikatur hat sich das Bildthema bis heute erhalten.

Somit ist Humor eine historische Konstante und seine Darstellung – weit über das Buch hinaus – immer Teil der Architektur und des öffentlichen Raums. Beispiele sind die Sockelfiguren am Kölner Rathausturm oder der Kallendresser am Alter Markt, eine kleine Skulptur, die ihre Notdurft verrichtet. Humor und Ironie sind nicht nur zwei- und dreidimensionale Darstellungen, sondern ein zeitloses Kommunikationsmittel. In der Volkskultur entfalteten sich beispielsweise durch Gaukler, Musikanten und – in Köln besonders wichtig – im Karneval ironische Ausdrucksformen. Derart präsentierte Kritik ist heute Teil gelebter Demokratie und eng mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen verbunden. 
 

Vitrine 3 wurde konzipiert und umgesetzt von Maxi Gaiser, Sarah Jabali, Benjamin Roth, Simon Thesing, Barbara Thien-Mochmann. Dabei erhielt die Gruppe “Humor” Unterstützung von den Auszubildenden in der Buchbinderei der USB Köln.

Vitrine 4 - Unkraut oder Verzierung?

Als stilisiertes Ornament dienten Pflanzen bereits in der Antike als Zierelemente der Architektur. Während das Ornament in der Moderne programmatisch abgelehnt wurde, blieb die Pflanze dennoch am Bau. Pflanzen werden in der zeitgenössischen Architektur oft als Gegner verstanden, sie verändern das geplante Bild, zerstören die Baumasse und wuchern scheinbar willkürlich am Objekt entlang.

Das Ornament ist im Fall der „Floramentik“ nicht statisch oder rhythmisch, sondern lebendig. Das pflanzliche und somit lebende Ornament entzieht sich dabei einer rein formalen Interpretation. Es wächst, reagiert, altert und verändert sich, wodurch die statische Vorstellung architektonischer Gestalt infrage gestellt wird. Die Pflanze fungiert nicht mehr ausschließlich als symbolische Referenz oder abstrahierte Form, sondern als materiell wirksame Akteurin am Bau. Schattenwurf, Wachstum, Luftfilterung oder saisonale Veränderungen werden zu integralen Bestandteilen eines erweiterten Ornamentbegriffs, der Ökologie und Ästhetik miteinander verbindet.

Vitrine 4 wurde konzipiert und umgesetzt von Laura Beugels, Morgan Kaempff, Lily Oswald, Janina Puschmann, Anna Vaupel, Nina Weidmann.  Dabei erhielt die Gruppe "Flora" Unterstützung von den Auszubildenden in der Buchbinderei der USB Köln.

Virtine 5 - Frau und Weiblichkeit

Weiblichkeit wird im Jugendstil nicht realistisch, sondern symbolisch inszeniert – verführerisch und distanziert zugleich, menschlich und überhöht. In Architektur und Buch prägt dieses Frauenbild bis heute unsere Wahrnehmung dieser Epoche und macht sichtbar, wie eng ästhetische Formen, gesellschaftliche Vorstellungen und kulturelle Sehnsüchte miteinander verwoben sind.

Als europäische Kunstbewegung um 1900 entwickelt der Jugendstil in verschiedenen Ländern eigene Ausprägungen. Ein Anliegen ist jedoch allen Richtungen gemein, nämlich der bewusste Bruch mit dem Historismus und die Suche nach einer zeitgemäßen Formensprache. Das Ornament ist im Jugendstil Ausdruck einer neuen Weltanschauung.

Inmitten tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche rücken Ideale wie Schönheit, Vitalität und die mystische Verbindung zur Natur ins Zentrum der künstlerischen Bildwelten. Eine Schlüsselrolle spielt die Frau in der Bildsprache des Jugendstils. Umrahmt von floralen Motiven, mit wallendem Haar und entrücktem Blick erscheint sie als Allegorie der Natur, als Projektionsfläche für Spiritualität, Sinnlichkeit und Begehren.

Vitrine 5 wurde konzipiert und umgesetzt von Vicky Dockhorn, Marcelline Klein, Thomas Pottrick, Lisa Schönebeck, Lydia Spötter. Dabei erhielt die Gruppe "Frau" Unterstützung von den Auszubildenden in der Buchbinderei der USB Köln.
 

Vitrine 6 - Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ornamental

Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Die 30 Artikel kodifizieren kein Völkerrecht, sind weder Gesetz noch internationaler Vertrag. Sie sind ein ethisches und politisches Manifest. Weltweit einzigartig, ist die Erklärung  in mehr als 550 Sprachen und Dialekte übersetzt.

In Worte gekleidet, haben die Artikel durch den Grafiker Jochen Stankowski eine Transformation zum Ornament und somit zum Visuellen erfahren. Er übersetzt die in Worte gefassten bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte aller Menschen in Formen und Farben. Für den Künstler ist die visuelle Interpretation der in Sprache manifestierten Menschenrechte Ausdruck (s)einer „konstruktivistischen Architekturmalerei“. Seine (Lein-)Wand ist das Plakat. Als Erinnerungsort dient der Ausstellungskatalog, das gedruckte Buch.

Determinierte Rechte des Individuums in ornamentaler Form zu manifestieren, bedarf eines erläuternden Rahmens. Insofern sind Form und Bedeutung vergänglich, da das einzelne Ornament zwar ein Kunstwerk ist, es aber ohne den thematischen Kontext keinen hermeneutischen Anspruch verstetigt. Erst in der Form der Vielheit, der Zusammenführung in einer Ausstellung und im Buch, ergibt sich aus den einzelnen plakativen Ornamenten der Plural der Menschenrechte. Ohne diesen eingehegten Raum sind die Ornamente l’art pour l’art, ein Ideal - wie die Erklärung der Menschenrechte.

Dr. Christiane Hoffrath

Unsere Ausstellungen zum Thema “Bibliothek - Ort der Demokratie”.

Einladung zur Ausstellungseröffnung

Wir laden Sie herzlich ein, die vielfältigen Zugänge zum Ornament zu entdecken und mit uns über seine ästhetischen, kulturellen und historischen Dimensionen ins Gespräch zu kommen.

Wann: 24.02.2026, 18 Uhr
Wo: Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, 1. OG
Der Eintritt ist frei.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Informationen

Ausstellungsort 

Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, 
Universitätsstraße 33, 50931 Köln
1. OG 

Öffnungszeiten

Montag–Freitag | 8.00–22.00 Uhr
Samstag–Sonntag | 8.00–21.00 Uhr

Einlass - Hinweis

Selbstverständlich können Sie die Ausstellung auch ohne Bibliotheksausweis besuchen.
Wenden Sie sich bitte an das Sicherheitspersonal, das Sie dann ins Foyer lässt.

Kontakt

Dr. Christiane Hoffrath

Dr. Christiane Hoffrath

Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung/ Fachreferate

Webseite