Ausstellung zum Projektstart "Ermittlung von NS-Raubgut in der USB Köln"
Demokratie braucht Erinnerung
Bibliotheken bewahren nicht nur Wissen – sie tragen auch Verantwortung für ihre Geschichte. Während der NS-Zeit wurden Bücher geraubt, Stimmen zum Schweigen gebracht, Wissen verfälscht.
Die Provenienzforschung macht diese Spuren sichtbar und stellt Fragen nach Herkunft, Verlust und Gerechtigkeit. Indem Bibliotheken heute offenlegen, was verschwiegen wurde, handeln sie demokratisch: Sie schaffen Transparenz, geben Geschichte zurück und machen deutlich, dass Teilhabe auch Aufarbeitung bedeutet.
Mehr dazu: “Bibliothek - Ort der Demokratie”.
Ausstellung zum Projekstart
Es beginnt das Projekt „Ermittlung von NS-Raubgut in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln". Dabei wird ein Teilbestand der Bibliothek auf Bücher untersucht, die in der Zeit des Nationalsozialismus auf unrechtmäßige Weise erworben wurden.
Zum Projektstart zeigen wir in der Ausstellung beispielhaft verschiedene Verdachtsfälle, bei denen es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um verfolgungsbedingt entzogenen Besitz handelt, ohne dass die Erwerbungswege durch die USB bislang rekonstruiert wurden. Eine tiefergehende Recherche der Geschichte der Exemplare und ihrer Vorbesitzer*innen erfolgt im Rahmen des Projekts.
NS-Raubgut in öffentlichen Sammlungen und Bibliotheken - Aufarbeitung seit 1999
Mit der Machtübernahme 1933 begannen die Nationalsozialisten, politische Gegner*innen und unliebsame Organisationen zu verfolgen und vor allem jüdischen Bürger*innen nach und nach ihre Rechte zu nehmen und sie schließlich systematisch millionenfach zu ermorden. Der nationalsozialistische Staat bereicherte sich umfassend an ihrem Eigentum. Besonders im Fokus standen Kunstwerke und Kulturgüter. Auch Millionen von Büchern wurden entzogen, enteignet oder auf andere Weise durch staatliche Akteure unrechtmäßig erworben. Viele dieser Bücher gelangten in den Besitz öffentlicher Bibliotheken.
In einer Gemeinsamen Erklärung von Bundesregierung, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden aus dem Jahr 1999 verpflichten sich diese, in Einrichtungen unter ihrer Trägerschaft NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter zu identifizieren und mit ihren rechtmäßigen Eigentümer*innen zu gerechten und fairen Lösungen zu gelangen. Dies kann beispielsweise eine Rückgabe der Kulturgüter oder eine finanzielle Entschädigung bedeuten.
Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln im Nationalsozialismus
Der Bücherbestand der USB wuchs in der Zeit des Nationalsozialismus um mindestens 200.000 Bände an. Wie andere wissenschaftliche Bibliotheken diente die USB als Depot-Bibliothek für die Bestände (zwangs-)aufgelöster Organisationen. Zudem bemühte sich der Bibliotheksdirektor Hermann Corsten das Büchersortiment durch den Erwerb von Bänden aus Privatbesitz, teilweise ganzer Bibliotheken, zu erweitern. In den Kriegsjahren wurden auch die von Deutschland besetzten Länder zu Quellen für günstige Erwerbungen. Mehrere „Einkaufsfahrten“ von Hermann Corsten durch das besetzte Belgien und Nordfrankreich sind in diesem Zusammenhang belegt. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass sich zahlreiche Bücher, die auf illegitime Weise zu uns gelangt sind, sich immer noch in unserem Bestand befinden.
Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle Akten, die Auskunft über konkrete Erwerbungen der USB zwischen 1933 und 1945 geben, im Krieg zerstört. Hinweise auf Vorbesitzer*innen finden sich daher oft nur in den Büchern selbst. Eine Auswahl dieser Merkmale ist in der Ausstellung zu sehen.
Weiterführende Links
- Provenienzen erforschen, verzeichnen, restituieren
- Erklärfilme des Deutschen Zentrums für Kulturgutverluste:
"Was ist Provenienzforschung?"
"Der Kulturgutraub der Nationalsozialisten"
"Was sind gerechte und faire Lösungen?"
Informationen
Ausstellungsort
Universitäts- und Stadtbibliothek Köln,
Universitätsstraße 33, 50931 Köln
1. OG
Öffnungszeiten
Montag–Freitag | 8.00–22.00 Uhr
Samstag–Sonntag | 8.00–21.00 Uhr
Einlass - Hinweis
Selbstverständlich können Sie die Ausstellung auch ohne Bibliotheksausweis besuchen.
Wenden Sie sich bitte an das Sicherheitspersonal, das Sie dann ins Foyer lässt.
Kontakt
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Arne Schiffler Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung
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schiffler
ub.uni-koeln.de
- Telefon
- +49 221 470-7904
Projektförderung
Unser besonderer Dank gilt dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste und der Bezirksregierung Köln für die großzügige Förderung des Projektes.
Projektleiterin
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Dr. Christiane Hoffrath Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung/ Fachreferate
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hoffrath
ub.uni-koeln.de
- WWW
- /die-usb/ansprechpartnerinnen/personal/dr-hoffrath
- Telefon
- +49 221 470-2403
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Bildnachweis: Universitätsgebäude, Historisches Archiv der Universität zu Köln
