Das Prinzip: Aus jedem Jahr ein gedrucktes Buch im Regal
Sammlung Georg Andreas und Gerlinde Bachem
Eurpäische Drucke: Die Bachem-Bibliothek
Die wertvolle Bibliothek der Eheleute Bachem enthält Drucke des 15. bis 20. Jahrhunderts aus ganz Europa. Georg Andreas Bachem folgte dem Prinzip, aus jedem Jahr (mindestens) ein Buch zu besitzen. Auf diese Weise ist über Jahrzehnte eine Bibliothek entstanden, deren Schwerpunkt "schöne und seltene Bücher" (G.A. Bachem) bilden. Aufbauend auf den Büchern des Großvaters kamen durch Geschenke des Bibliothekars der Abtei Mariawald, der auf diese Weise 1941 die Bücher vor dem Zugriff der Gestapo rettete, alte Bücher in die noch kleine Sammlung. Fortan bestimmte das Interesse für den "alten Druck" Bachems Sammelleidenschaft. Es ist Gerlinde Bachem zu danken, dass sie nach dem Tod ihres Mannes testamentarisch bestimmte, die Bibliothek der Eheleute der USB Köln zu übergeben.
Die historischen Bände (bis 1850) werden seit April 2025 erschlossen und unter der Signatur „BACH“ aufgestellt. Die Katalogisierung der Sammlung ist noch nicht abgeschlossen. Für Forschungszwecke können Bücher und andere Sammlungsobjekte im Lesesaal Historische Sammlungen zur Verfügung gestellt werden.
Ein großer Teil der modernen Bestände Bachems befindet sich als Schenkung seit 2003 im Nationalarchiv Luxemburg, überwiegend zu Themen und Fragestellungen bezüglich der beiden Weltkriege, unter anderem die Schuldfrage, die Rolle des Judentums und wirtschaftliche Zusammenhänge.
Georg Andreas Bachem (1922-2010)
"Wissenschaftler im Nebenberuf", so beschrieb ein Artikel der Kölnischen Rundschau im Jahr 2005 den sprachhistorischen Forscher, lyrischen Autor und passionierten Sammler. Der studierte Prüfstatiker nutzte für sein künstlerisches Schaffen seine Studien der keltischen, baskischen und gälischen Sprache. Er verfasste an diese Sprachformen angelehnte Gedichte. Aber auch in deutscher und englischer Sprache liegen viele Werke Bachems, von seiner Hand illustriert, vor. Viele dieser Bände wurden, in anspruchsvollen Einbänden gebunden, im Selbstverlag publiziert. Engagiert widmete sich Georg Andreas Bachem auch der Geschichte seines Heimatkreises. Die nebenstehende Abbildung entstammt einer kleinen Festschrift des Geschichtsvereins Stadt Heimbach/Eifel e.V.
Biografische Notizen zu Georg Andreas Bachem
"Der Bibliophilie verdanke ich nicht die Lyrik, aber meine Lyrik verdankt in den späteren Dezennien einiges der Liebe zum Buch." So beschreibt G.A. Bachem in seinem 1986 erschienenen Band "Nachgeburt" das gegenseitige Befruchten seiner beiden Passionen. Die selbst verlegten Werke finden sich gleichfalls in der Sammlung. Daneben umfasst die Sammlung Bachem eigene Illustrationen, wie Zeichnungen und Collagen, Forschungsunterlagen, genealogische und heraldische Studien, Zeitungsausschnitte, Korrespondenzen und Fotografien. Ein besonderes Zeitdokument stellen die erhaltenen Briefe von Bachems Mutter dar, die in den letzten Kriegsmonaten unermüdlich an ihren Sohn im "Westwall-Kampfgebiet" schrieb.
Eine Bibliothek entsteht ...
Am Anfang lag der Fokus des Sammlers allgemein auf alten Büchern. Später fahndete Georg Andreas Bachem auf nationalen und internationalen Versteigerungen nach seltenen und besonderen Werken. Um ein solches handelt es sich auch bei dem oben abgebildeten Titelblatt einer sog. Gelegenheitsschrift. Es zeigt einen äußerst seltenen Druck, der bislang bibliographisch nicht nachgewiesen werden konnte. Der Verfasser der Schrift, ein Deutschfranzose, ist Johann Christian Trömer. Sein Pseudonym lautet "Jean Chretien Toucement". Er stammte aus Dresden. Die Spezialität des Autors in seinen Schriften ist eine besondere Mischung der deutschen und französischen Sprache. Die Adressatin der vorliegenden Geburtstagsadresse zum 8. Dezember 1741 war Maria Josepha (1699–1757) Erzherzogin von Österreich und durch ihre Heirat Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen.
Auffällig sind mehrere Drucke, deren Einbände mit geprägten Wappen (Supralibros) versehen sind und die nachweislich aus Adels- oder Königsbibliotheken stammen. Hierzu zählen unter anderem Bände aus dem Besitz von Königin Maria Theresia von Frankreich (1638–1683), König Ernst August von Hannover (1771-1851), Liselotte von der Pfalz (1652-1722), Maria Theresia von Österreich (1717-1780), König Ludwig XIII. von Frankreich (1601-1643), sowie König Ludwig XV. von Frankreich (1710-1774). Ein Exemplar stammt aus der Privatbibliothek des Oberbefehlshabers Eugen von Savoyen (1663-1736), die geschlossen in der Österreichischen Nationalbibliothek steht und von der nur wenige Drucke in den Handel gelangten. Solche Provenienzen stellen eine wertvolle Quelle für die Rekonstruktion historischer Netzwerke und höfischer Kultur dar und besitzen darüber hinaus eine erhebliche heraldische wie auch buch- und kunsthistorische Relevanz.
Bachem erwarb eine Reihe seltener Exemplare in unterschiedlichen Sprachen, die in Deutschland und teils auch international nur in äußerst geringer Zahl oder überhaupt nicht nachweisbar sind. Ein Beispiel ist der Druck BACH150 aus dem Jahr 1765, erschienen in Valencia, der sich inhaltlich mit verschiedenen Sprachen auseinandersetzt. Dieses Werk ist nach aktuellem Kenntnisstand weltweit lediglich in der Bestandsdatenbank der Spanischen Nationalbibliothek verzeichnet. Noch außergewöhnlicher ist der Band BACH92, ein 1631 in Uppsala gedruckter skandinavischer Bildband, der Porträts prominenter Persönlichkeiten seiner Zeit enthält und in Bachems eigener Dokumentation als „rarer, bemerkenswerter Band“ charakterisiert wird. Ebenfalls von besonderer Seltenheit ist das Exemplar mit der Signatur BACH60, das 1736 in Burgos gedruckt wurde. Es handelt sich um ein für Pilgerinnen konzipiertes Werk, das sich mit sogenannten „Frauenkrankheiten“ befasst. In seiner Dokumentation weist Bachem darauf hin, dass es sich vermutlich um eine seltene Produktion einer Kleindruckerei handelt, was sowohl aus druckhistorischer als auch aus kulturhistorischer Perspektive von Interesse ist.