Sammlungen erzählen Geschichte
Aktuelles, Wissenswertes und Geschichten aus über 80 Sammlungsportalen.
Hier finden Sie Meldungen zu unseren Sammlungen, wenn wir
- neue Sammlungsportale präsentieren
- an Jahrestage und Jubiläen erinnern möchten
- Publikationen zu unseren Sammlungen veröffentlichen
- Themenschwerpunkte zeigen
- Ausstellungen mit Büchern aus unseren Sammlungen bereichern
- neue Dissertationen, Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Arbeiten bewerben, die wir mit Quellenmaterial unterstützten konnten
Zu dem Alltag von Mönchen und Nonnen gehörte selbstverständlich das regelmäßige Gebet und der Gottesdienst – das ist vielleicht die erste Assoziation, die heute mit dem Begriff ‚Kloster‘ verbunden wird. Doch im Mittelalter und der Frühen Neuzeit waren Klöster auch Zentren der Gelehrsamkeit und des Wissens. Mit dem europäischen Buchdruck wurde es ab dem 15. Jahrhundert zunehmend leichter, Texte zu vervielfältigen. Manche Klöster erweiterten ihre Bestände durch das höhere Angebot an Büchern beträchtlich und bauten über die Jahrhunderte beeindruckende Bibliotheken auf. Woher stammten die Bücher, welche Texte zählten zu den Bibliotheken, und wie wurden sie geordnet?
Das neue Sammlungsportal Klosterbibliotheken im Kölner Raum bietet nun für acht Klöster in Köln und der Umgebung Antworten auf diese Fragen. Das Portal macht die Ergebnisse eines Erschließungsprojektes sichtbar, das seit 2024 an der Universitäts- und Stadtbibliothek durchgeführt wurde. Das Projektteam hat die Bestände der Gymnasialbibliothek untersucht, einer Sondersammlung, die auf die Zeit der französischen Herrschaft in Köln zurückgeht. Damals wurden die Buchbestände der Kölner Klöster, Stifte und Gymnasien enteignet und teilweise zu einer neuen Schulbibliothek zusammengeführt. Dieser historisch gewachsene Bestand wird heute in der USB aufbewahrt.
Zugänge zur Gesamtsammlung
Das Portal bündelt die Ergebnisse aller Untersuchungen und Recherchen des Klosterprojekts. Übergreifende Texte machen die Geschichte der Gymnasialbibliothek, den Projektverlauf und die Methodik nachvollziehbar. Indizes und Navigationshilfen bieten außerdem Einstiege in die Bestände der Teilsammlungen. Beispielsweise zeigt der Merkator-Plan das Kölner Stadtgebiet von 1571, in dem die Standorte der Klöster markiert und direkt anklickbar sind. Gleichzeitig lädt der Plan dazu ein, die heutige Stadt zu erkunden: Manche der Klosterkirchen und ein Großteil des Straßennetzes sind aus dieser Zeit bis heute in der Kölner Altstadt erhalten.
Die einzelnen Klöster
Zentrales Angebot für Forschende und Interessierte gleichermaßen sind die Unterseiten der einzelnen Klöster. Sie vermitteln in Bild und Text einen Eindruck der Klöster und – sofern die Erschließung bereits abgeschlossen ist – ihrer Bibliotheken. Die grundlegende Struktur ist dabei auf allen Unterseiten gleich: Sie bieten historische Informationen zur Institution, einen Überblick über die Erschließungsergebnisse sowie einen spannenden Einzelfall aus jedem Bestand. Zum Beispiel ist auf der Unterseite des Fraterhauses Weidenbach nachzulesen, dass der erhaltene Buchbestand selbst für ein Kölner Kloster außergewöhnlich alt ist. Bis heute sind die kunstvollen Initialen, die man vielleicht eher in mittelalterlichen Handschriften erwarten würde, ein sichtbares Zeichen dieses hohen Alters. Ein besonders prächtiges Beispiel wird auf der Unterseite abgebildet und besprochen.
Die Erschließungsergebnisse, also die Informationen zu den jeweiligen Bibliotheken, sind ebenfalls über die Unterseiten abrufbar. Am Ende jeder Textseite findet sich ein Button mit der Aufschrift ‚Bestand‘. Dieser führt direkt zu einer Übersicht der Titel, die einst Teil des Klosterbestandes waren. Ergänzend gibt es eine Kategorie, die speziell für die Forschung von Bedeutung ist: Die ungesicherten Provenienzen. Dabei handelt es sich um Bücher, an denen sich zwar Hinweise für eine Herkunft aus dem Bestand finden, die aber nicht eindeutig zugeordnet werden können und daher nicht in den jeweiligen Datensätzen erscheinen. Sie sind dennoch als einfache Signaturlisten auf den Unterseiten hinterlegt.
Grundlage der Erschließung: Die Einzelexemplare
Was aber ist die Grundlage dafür, ein Buch sicher einer historischen Bibliothek zuzuordnen? Die Begründung lässt sich für jedes Einzelexemplar in der Datenbank des Portals nachvollziehen. Der Button ‚Bestand‘ führt zunächst zu einer listenartigen Übersicht der Titel des jeweiligen Klosters. Diese lässt sich nach verschiedenen Merkmalen der Bücher – etwa dem Erscheinungsdatum, weiterer Provenienzen (in der Regel Vorbesitzer*innen), der Textsprache und anderer Kriterien weiter einschränken. Je nach Fragestellung lassen sich also beispielsweise alle lateinischsprachigen Bücher aus Basel anzeigen. Ein Klick auf einen Titel öffnet eine Detailansicht mit weiterführenden Informationen.
Auf dieser Detailebene sind die eigentlichen Erschließungsdaten zu finden: Angaben zum Titel selbst – etwa zu Autor, Erscheinungsort und -jahr – sowie Beschreibungen der Merkmale, die zur Zuordnung des Exemplars geführt haben. Außerdem sind auch Daten zu eventuellen Vorbesitzer*innen, der historischen Signaturen, sowie weitere Beobachtungen hier aufgeführt. Auf diese Weise lässt sich die Geschichte der einzelnen Bibliotheken exemplarisch nachvollziehen – und lädt dazu ein, die Bestände selbst zu erkunden.
Ermöglicht wurde das Projekt durch die Förderung des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds.
Ihre Ansprechpartnerin
Dr. Christiane Hoffrath
Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung/ Fachreferate
Projektteam von Januar 2024 bis September 2026
8. April 2026 - Tag der Provenienzforschung
Spuren eines Frauenklosters in der Kölner Gymnasialbibliothek
"Diß Buch gehört ins Lämbgen auff die Burgmawr"
Am 8. April, dem Tag der Provenienzforschung, erinnern wir an die kulturelle Bedeutung vergessener Bibliotheken. Beispielsweise war das Kölner Frauenkloster „Zum Kleinen Lämmchen”, auch „Lämmchen auf der Burgmauer“ genannt, Teil der reichen Klosterkultur im Rheinland. Das zwischen 1487 und 1499 gegründete Frauenkloster wurde bis zu seiner Aufhebung 1802 von Augustinerinnen bewohnt. Sein Standort war einst auf dem Areal des heutigen Appellhofplatzes.
Trotz der wenigen überlieferten Informationen über die Bibliotheken, zeigt unser aktuelles Erschließungsprojekt „Klöster im Kölner Raum“, wie viel sich aus verstreuten Spuren rekonstruieren lässt. Die 37 Druckwerke, darunter wuchtige theologische Werke jesuitischer Autoren, stammen aus Schenkungen der beiden Beichtväter Theodor von Elmpt (1689) und Johannes Sütgen (1713). Diese Bücher, die heute in der Gymnasialbibliothek aufbewahrt werden, geben Einblicke in das intellektuelle Leben der Augustinerinnen. Obwohl die Bibliothek kein eigenes Signatursystem besaß und wohl nicht systematisch erweitert wurde, zeigt sie, welches theologische Fachwissen in dem Frauenkloster verfügbar war.
Das Projekt "Klöster im Kölner Raum" untersucht insgesamt 18 ehemalige Klosterbibliotheken in Köln und Umgebung. Die digital zusammengetragenen Bestände werden künftig Wissenschaftler*innen, Studierenden und allen Interessierten zur Erforschung offenstehen. Dies ist eine Einladung besonders an junge Forschende, sich mit der Geschichte der Wissensvermittlung auseinanderzusetzen.
Das Projekt “Klöster im Kölner Raum” wird gefördert durch den Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds.
Vollständiger Artikel ab 08. April 2026 in “Retour - Freier Blog für Provenienzforschende”: Diß Buch gehört ins Lämbgen auff die Burgmawr. Spuren eines Frauenklosters in der Kölner Gymnasialbibliothek
Januar 2026 – Haloerscheinung über Köln vor 455 Jahren
Am 26. Januar 1571 beobachteten Kölnerinnen und Kölner ein seltenes Naturphänomen: Drei Sonnen und drei Regenbögen erhellten den Himmel über dem Rhein. Dieses spektakuläre Ereignis wurde in einem Einblattdruck festgehalten, der bis heute erhalten ist.
Das Phänomen vom 26. Januar 1571
Die Haloerscheinung wurde gleich von zwei verschiedenen Druckereien produziert:
- Eine Version stammt aus Augsburg von Hans Moser, einem Briefmaler und Drucker.
- Die andere Version, die hier gezeigt wird, stammt aus Frankfurt am Main von Anthony Cortois [Corthoys].
Wissenschaftliche Erklärung
Haloerscheinungen entstehen durch Reflexion und Brechung des Lichts an Eisnadeln in hohen Schichten der Atmosphäre. Die für Haloerscheinungen verantwortlichen Kristalle bilden sich erst bei Temperaturen von unter -10°C, diese treten in der Atmosphäre aber nicht nur im Winter auf.
Was ist ein Einblattdruck?
Ein Einblattdruck ist eine einzelne gedruckte Seite, oft mit einer Abbildung und einem kurzen Text, die als Flugblätter oder Einzelblätter verbreitet wurden. Diese Drucke dienten häufig dazu, aktuelle Ereignisse oder besondere Vorkommnisse zu dokumentieren und zu verbreiten. Der hier gezeigte Einblattdruck gehört zu unserer Sammlung Rheinland.
Historische Aufzeichnungen
Schon aus dem Jahr 464 v. Chr. liegen römische Aufzeichnungen zu diesen Himmelserscheinungen vor. Das Buch der Historia Naturalis vom römischen Naturforscher C. Plinius Sekundus enthält eine Zusammenfassung von mehreren Halobeobachtungen im Altertum sowie den damaligen Wissensstand über diese Phänomene.
In der Antike und im Mittelalter galten Haloerscheinungen oft als „böses Omen“, etwa als Vorboten von Kriegen, Verbrechen oder (Natur-)Katastrophen. Sie wurden auch als Teufels- oder Hexenwerk interpretiert. Gleichzeitig konnten sie aber auch als „göttliche Zeichen“ positiv gewertet werden.
Eine erste wissenschaftliche Erklärung der Haloerscheinungen um Sonne und Mond gab der französische Philosoph René Descartes (1596–1650) Mitte des 17.Jahrhunderts. Genauere Erläuterungen fanden jedoch erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts statt. Mit Hilfe moderner Technologien konnten dann auch verschiedene Arten von Halos benannt werden.
Restaurierung des Einblattdrucks
Im Jahr 2019 konnte der Einblattdruck dank der Förderung der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft restauriert werden. Diese Maßnahme sichert das historische Dokument für zukünftige Generationen.
Fazit
Die Haloerscheinung vom Januar 1571 ist nicht nur ein faszinierendes Beispiel für die Dokumentation historischer Ereignisse durch Einblattdrücke, sondern auch ein Zeugnis für das frühe Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen.
Quellen:
Januar 2026 – Restitution aus der Sammlung Georg und Gerlinde Bachem
Restitution aus der Sammlung Georg und Gerlinde Bachem
Zum Jahreswechsel konnten wir einen Band aus der Sammlung Georg Andreas und Gerlinde Bachem an die Fürstlich Stolberg-Roßlasche Bibliothek zurückgegeben. Bei der Katalogisierung entdeckte unsere Altbestand-Katalogisiererin Lucia Müller einen auffälligen Stempel: „Gräfl. Stolb. Bibliothek z. Rossla“.
Recherchen der Kollegin ergaben, dass Bücher mit diesem Stempel bereits im Händel-Haus in Halle als unrechtmäßig erworben identifiziert wurden.
Die Bodenreform von 1945 führte zur Enteignung des Fürsten zu Stolberg-Roßla ohne Entschädigung. Das Schloss Roßla und die umfangreiche Hofbibliothek gingen in den Besitz der Gemeinde über. Teile dieser Bibliothek wurden später auch nach Westdeutschland verkauft. Der Band gelangte über private Sammler schließlich in unseren Bestand.
Mehr dazu unter: Provenienzforschung und Restitutionen