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Januar 2026 – Haloerscheinung über Köln vor 455 Jahren
Am 26. Januar 1571 beobachteten Kölnerinnen und Kölner ein seltenes Naturphänomen: Drei Sonnen und drei Regenbögen erhellten den Himmel über dem Rhein. Dieses spektakuläre Ereignis wurde in einem Einblattdruck festgehalten, der bis heute erhalten ist.
Das Phänomen vom 26. Januar 1571
Die Haloerscheinung wurde gleich von zwei verschiedenen Druckereien produziert:
- Eine Version stammt aus Augsburg von Hans Moser, einem Briefmaler und Drucker.
- Die andere Version, die hier gezeigt wird, stammt aus Frankfurt am Main von Anthony Cortois [Corthoys].
Wissenschaftliche Erklärung
Haloerscheinungen entstehen durch Reflexion und Brechung des Lichts an Eisnadeln in hohen Schichten der Atmosphäre. Die für Haloerscheinungen verantwortlichen Kristalle bilden sich erst bei Temperaturen von unter -10°C, diese treten in der Atmosphäre aber nicht nur im Winter auf.
Was ist ein Einblattdruck?
Ein Einblattdruck ist eine einzelne gedruckte Seite, oft mit einer Abbildung und einem kurzen Text, die als Flugblätter oder Einzelblätter verbreitet wurden. Diese Drucke dienten häufig dazu, aktuelle Ereignisse oder besondere Vorkommnisse zu dokumentieren und zu verbreiten. Der hier gezeigte Einblattdruck gehört zu unserer Sammlung Rheinland.
Historische Aufzeichnungen
Schon aus dem Jahr 464 v. Chr. liegen römische Aufzeichnungen zu diesen Himmelserscheinungen vor. Das Buch der Historia Naturalis vom römischen Naturforscher C. Plinius Sekundus enthält eine Zusammenfassung von mehreren Halobeobachtungen im Altertum sowie den damaligen Wissensstand über diese Phänomene.
In der Antike und im Mittelalter galten Haloerscheinungen oft als „böses Omen“, etwa als Vorboten von Kriegen, Verbrechen oder (Natur-)Katastrophen. Sie wurden auch als Teufels- oder Hexenwerk interpretiert. Gleichzeitig konnten sie aber auch als „göttliche Zeichen“ positiv gewertet werden.
Eine erste wissenschaftliche Erklärung der Haloerscheinungen um Sonne und Mond gab der französische Philosoph René Descartes (1596–1650) Mitte des 17.Jahrhunderts. Genauere Erläuterungen fanden jedoch erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts statt. Mit Hilfe moderner Technologien konnten dann auch verschiedene Arten von Halos benannt werden.
Restaurierung des Einblattdrucks
Im Jahr 2019 konnte der Einblattdruck dank der Förderung der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft restauriert werden. Diese Maßnahme sichert das historische Dokument für zukünftige Generationen.
Fazit
Die Haloerscheinung vom Januar 1571 ist nicht nur ein faszinierendes Beispiel für die Dokumentation historischer Ereignisse durch Einblattdrücke, sondern auch ein Zeugnis für das frühe Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen.
Quellen:
Januar 2026 – Restitution aus der Sammlung Georg und Gerlinde Bachem
Zum Jahreswechsel konnten wir einen Band aus der Sammlung Georg Andreas und Gerlinde Bachem an die Fürstlich Stolberg-Roßlasche Bibliothek zurückgegeben. Bei der Katalogisierung entdeckte unsere Altbestand-Katalogisiererin Lucia Müller einen auffälligen Stempel: „Gräfl. Stolb. Bibliothek z. Rossla“.
Recherchen der Kollegin ergaben, dass Bücher mit diesem Stempel bereits im Händel-Haus in Halle als unrechtmäßig erworben identifiziert wurden.
Die Bodenreform von 1945 führte zur Enteignung des Fürsten zu Stolberg-Roßla ohne Entschädigung. Das Schloss Roßla und die umfangreiche Hofbibliothek gingen in den Besitz der Gemeinde über. Teile dieser Bibliothek wurden später auch nach Westdeutschland verkauft. Der Band gelangte über private Sammler schließlich in unseren Bestand.
Mehr dazu unter: Provenienzforschung und Restitutionen