#OneBookShow 2026
2026 zeigen wir zu jeder Jahreszeit ein Buchobjekt aus unseren Sammlungen. Mal sind es Unikate, mal Beispiele aus der Massenproduktion. Herzlich willkommen zur #OneBookShow im Foyer!
#OneBookShow Sommer
Spanische Pracht in Samt und Seidenmoiré - Ein Königlicher Kalender
Einblick in die Spanische Hofkunst: Ein historischer Kalender aus Madrid
Guia da forasteros en Madrid : para el año de 1865. - Madrid : Impr. nac, 1864, Signatur: GG8/5450-1865
Guía de forasteros en Madrid ist ein spanischer Hofkalender, der mehr als nur ein Kalender war. Er enthielt einen Überblick über die Ressorts des Staates, das Königshaus und kirchliche Institutionen. Zudem bot er dem Leser Karten von Spanien, Stadtpläne von Madrid und Informationen über stattfindende Feste, Märkte und Veranstaltungen. Zur Zeit seines Erscheinens war Isabella II. (1830-1904) Königin von Spanien und regierte von 1833 bis 1868.
Historistischer Architektur-Einband der Valenzianischen Schule
Dieser prächtige Kalender aus dem Jahr 1865 ist eingebunden in blauem Samt, der über Pappdeckeln gezogen wurde und mit einer goldenen Plattenprägung verziert. Das Wappen Kastiliens, flankiert von Säulen und gekrönt, ziert den Untergrund. Die Säulen sind ebenfalls mit einer Krone besetzt.
Das moirierte Vorsatzpapier ist ein speziell behandeltes Papier mit einem wellenartigen Muster, das durch das Pressen von Papier zwischen gewebte Stoffe oder mittels spezieller Walzen entsteht. Es verleiht dem Buch Wertigkeit und dient als Verstärkung und Schutz für die ersten und letzten Seiten des Buches. Der Goldschnitt entsteht, indem die Schnittkanten der Buchseiten mit Gold bedeckt werden.
Das Buch ist in einer Kassette aus grünem Ziegenleder über Pappdeckeln, teilvergoldet, untergebracht. Die Kassette trägt auf dem Recto – der Vorderseite des Papiers oder Einbands – ein mit Blindlinien gerahmtes Zentrum mit dem goldgeprägten Buchtitel. Auf dem Verso – der Rückseite des Papiers oder Einbands – ziert das blind abgeprägte, gekrönte Wappen Spaniens die Deckelmitte. Der Rücken der Kassette ist mit neogotischen, architektonischen Elementen des Kathedralstils verziert.
Historische Bedeutung
Der Kalender erschien in dieser Form von 1838 bis 1872. Sein Vorgänger, der Calendario manual y guía de forasteros en Madrid, wurde von 1722 bis 1837 veröffentlicht. Nachfolger wurde der Guía oficial de España. Heute sind die Bände als begehrte Sammlerobjekte allgemein geschätzt. In ihrer unterschiedlichen Gestaltung vermitteln sie die Entwicklung der spanischen Einbandkunst vom 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.
Der Kalender stammt aus der Sammlung Johannes Fastenrath und ist aufgrund seines besonderen Einbandes auch Teil unserer Einbandsammlung.
Quellen:
Ollero, J.: Encuadernaciones Espanolas en la Biblioteca Nacional, Madrid junio – agosto 1992, S. 130 und Abb. 126 /136, besond. 136
Hueso Rolland, F.: Exposición de Encuadernaciones Espanolas. Siglos XII al XIX, Madrid 1934, vergl. Abb. LXI und S. 244
#OneBookShow Frühling
An Land gespült - Das geheime Tagebuch von Kolumbus
#OneBookShow zum Welttag des Buches am 23. April 2026
Karl Maria Seyppels “Mumiendrucke”
Seyppel, Karl Maria: Christoph Columbus' Logbuch, als Geheimschrift von mir selbst, für meinen Sohn Diego, vom 3ten August 1492 an geführt. Düsseldorf: Felix Bagel [1890]
Signatur: RHSUA5733-Einb.
Dieses Buchobjekt ist eines von insgesamt neun von dem Maler, Karikaturisten und Autor Karl Maria Seyppel (1847-1913) verfassten und illustrierten „Mumiendrucken“. Aufgrund ihrer Innengestaltung werden diese als eine Vorform der Comics angesehen.
Seyppels kreativer Prozess
Seyppel hatte fünf Kinder, das „Logbuch“ richtet sich an den ältesten Sohn Diego und wurde durch das Hinzufügen humoristischer Zeichnungen (Seemonster und widrige Dämonen, Vulkane auf unbekannten Inseln, Schatzkarten etc.) ergänzt. Bei seinen Texten ließ er sich von seinem Vorbild, dem Dichter und Zeichner Wilhelm Busch (1832-1908), inspirieren.
Das für Seyppels „Mumiendrucke“ verwendete Herstellungsverfahren des Lithographischen Kunst-Institutes Franz Rangette & Söhne aus Düsseldorf wurde 1882 patentiert als “Verfahren, vermodertes Papier nachzuahmen“.
Seyppels Vorstellung von Kolumbus' Tagebuch
Neben dem bereits bewährten Alterungssystem der Seiten wurden die Exemplare mit einem Pergament-Einband hergestellt, auf dem Ablagerungen aus Sand, Algen, Holzfragmenten und Muscheln aufgebracht wurden, um zu suggerieren, dass das Logbuch lange auf dem Meeresgrund gelegen hat. Ein Siegel aus kalkigem Material, das ebenfalls mit Verkrustungen bedeckt ist und das Wappen von Kolumbus trägt, wurde jeweils angehängt. Seyppel ging von der Gewissheit aus, dass Kolumbus’ wahres Tagebuch nicht mehr existierte und was davon als Information zu uns gekommen ist, ist das Ergebnis von Rückschlüssen Dritter. Basierend auf der legendären Geschichte, dass während der ersten Reise ein Sturm den Seefahrer dazu zwang, seine Erinnerungen in ein Fass zu stellen, um sie dem Meer anzuvertrauen, stellte sich Seyppel vor, dass das Manuskript am 14. Februar 1493 verloren ging. Ein Datum, das historisch dem oben genannten Sturm entsprach. Dann fügte er eine Notiz ein, als ob es im letzten Moment geschrieben worden wäre.
Das echte Schiffslogbuch, dass Christoph Columbus auf seiner ersten Reise 1492/93 führte, ging verloren, die 1552 handschriftlich angefertigte Kopie des spanischen Dominikaners und Bischofs in den spanischen Kolonien Südamerikas Bartolomé de Las Casas (1484/85-1566) blieb erhalten. Erst am Ende des 18. Jahrhunderts fand der Marineoffizier und Historiker Martín Fernández de Navarrete y Ximénez de Tejada (1765-1844) in spanischen Archiven die Überlieferungen zur Entdeckung Amerikas, darunter die Kopie des Bordbuches. Er fertigte davon eine erste Übertragung an, die 1826 gedruckt wurde.
Die Bedeutung des Originalerhalts
Das aufwändige Herstellungsverfahren der „Mumiendrucke“ rechnete sich aber offensichtlich nicht, denn nach diesem neunten Druck, erschien kein weiterer mehr in dieser Art.
„Gerade bei solch speziellen Büchern wie den Mumiendrucken zeigt sich ganz deutlich, wie wichtig unabhängig von einer Digitalisierung der Erhalt der Originale ist.“ (Silke Trojahn)
Quellen:
Cristoforo Colombo: Christoph Kolumbus Bordbuch. Mit einem Nachwort von Frauke Gewecke. 1. Auflage. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2006
Deutsches Patent- und Markenamt
[Patentschrift Nr. 23615: Verfahren, vermodertes Papier nachzuahmen]
Martin Neumann: Las Casas. Die unglaubliche Geschichte von der Entdeckung der Neuen Welt. Freiburg 1990
Silke Trojahn: „Antike Bücher einmal anders – die Mumiendrucke des Carl Maria Seyppel“ in: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Band 57, Heft 2, 2011, S. 392-398.
#OneBookShow Winter
Bunte Poesie - Papierkunst
“Und du erbst das Grün”
Im Rahmen der OneBookShow präsentieren wir das Künstlerbuch "Und du erbst das Grün" von John Gerard, inspiriert von einem Gedicht von Rainer Maria Rilke.
Und du erbst das Grün / von Rilke, Rainer Maria, Gerard, John. -
Rheinbach : J. Gerard, 2002. - [13] Bl
Signatur: 2P119
Über das Künstlerbuch
Der Band entstand durch die Kombination von linearen Papiergüßen, Handsatz und Buchdruck. Mit einem geschlossenen Format von 25 x 21,5 cm öffnet es sich zu einer insgesamt 310 cm langen, fließenden Bild- und Textfolge. Der Einband ist eine dunkelgrüne, geprägte Ganzleinenkassette der renommierten Buchbinderei Adler aus Leipzig. Die Auflage umfasst 40 Exemplare, jedes einzelne signiert und nummeriert im Impressum.
John Gerard vereint die lyrischen Texte Rilkes mit Papierkunst. Die linearen Papiergüsse schaffen eine visuelle Interpretation der poetischen Texte und laden den Betrachter ein, in eine Welt aus Farben und Formen einzutauchen – eine poetische Reise, in der Sprache und Bild sich zu einer einzigartigen künstlerischen Sprache verbinden.
Gedichtauszug
Und Du erbst das Grün
vergangner Gärten und das stille Blau
zerfallner Himmel.
Tau aus tausend Tagen,
die vielen Sommer, die die Sonne sagen,
und lauter Frühlinge mit Glanz und Klagen
wie viele Briefe einer jungen Frau.
Du erbst die Herbste, die wie Prunkgewänder
in der Erinnerung von Dichtern liegen,
und alle Winter, wie verwaiste Länder,
scheinen sich leise an dich anzuschmiegen.
Rainer Maria Rilke
Über John Gerard
John Gerard ist ein amerikanischer Künstler und Papiermacher. Er eröffnete seine Papierwerkstatt im Jahr 1985 in Bethanien, bevor sie später von Gangolf Ulbricht übernommen wurde. Seit 1992 befindet sich seine Werkstatt in Rheinbach in der Voreifel.
Für John Gerard bedeutet kreativer Umgang mit Papier nicht nur künstlerischen Eingriff in den Schöpfungsprozess oder Verarbeitung bereits vorhandener Papiere durch Reißen oder Collagieren. Seine Auseinandersetzung mit dem Material beginnt bei der Papierfaser selbst. Dabei wendet er sowohl traditionelle Techniken an als auch neue entwickelt.
Papiergüsse sind eine besondere Form der Papierkunst, bei denen farbige Papierfasern direkt auf ein frisch geschöpftes Blatt aufgebracht werden. Seit über vier Jahrzehnten folgt John Gerard dem Leitgedanken: „Mit Papier statt auf Papier zu zeichnen.“
Quellen:
Einlass
Sie können die Ausstellung auch ohne Bibliotheksausweis besuchen. Die Vitrine zur #OneBookShow finden Sie hinter den Büchertauschregalen. Der Eintritt ist frei!
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag von 8 bis 24 Uhr | Samstag und Sonntag von 8 bis 21 Uhr
Kontakt
Caroline Dohmen-Richter
Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung
Hildegard Schoel
Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung / Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit