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#OneBookShow

Ab 2025 zeigen wir im Foyer jeden Monat ein Buchobjekt aus unseren Sammlungen. Mal sind es Unikate, mal Beispiele aus der Massenproduktion. Herzlich willkommen zur #OneBookShow!

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10. Dezember 2025: Internationaler Tag der Menschenrechte

DEZEMBER | "Freiheit - Gleichheit - Rechtssicherheit"

„Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung“ – Menschenrechte.

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  • Das Bild zeigt eine historische Darstellung der "Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen" (Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte), die am 26. August 1789 von der Nationalversammlung in Frankreich verabschiedet wurde. Im oberen Teil des Bildes befindet sich ein strahlender Sonnenaufgang, der über einem Textband mit dem Titel "Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen" thront. Rechts und links des Textes sind zwei allegorische Figuren dargestellt: Eine Frau mit Lorbeerkranz auf der linken Seite, die ein Schwert hält, und ein geflügelter Engel auf der rechten Seite, der eine Fackel schwingt. Beide Figuren symbolisieren Freiheit und Gerechtigkeit. Der Hauptteil des Bildes besteht aus einem prächtigen Rahmen mit verzierten Säulen, in dem der Präambeltext sowie die einzelnen Artikel I bis XVII zu lesen sind. Der Text ist in französischer Sprache verfasst und beschreibt die grundlegenden Rechte und Freiheiten der Menschen sowie die Prinzipien eines gerechten Staates. Am unteren Rand des Bildes steht die Widmung "Aux Représentants du Peuple Français". Enlarged view:
    Déclaration des droits de l'homme et du citoyen, Jean-Jacques-François Le Barbier, 1738-1826. Quelle: Wikimedia commons, gemeinfrei
  • Dieses Bild zeigt eine aufgeschlagene Seite eines alten Buches mit gedrucktem Text in Französisch und Deutsch. Die Seite scheint Teil eines historischen Dokuments zu sein, nämlich der französischen Verfassung von 1791. Es handelt sich speziell um die ersten Artikel der Menschenrechtserklärung (Déclaration des Droits de l'Homme et du Citoyen). Die linke Seite der Buchseite enthält französischen Text, der in Säulen angeordnet ist. Der Text beginnt mit "En conséquence, l'Assemblée Nationale..." und beschreibt verschiedene Artikel, die sich auf die Rechte von Menschen beziehen. Die Artikel behandeln Themen wie Freiheit, Gleichheit, politische Zugehörigkeit und die Prinzipien der Souveränität. Der Text ist in einer alten Schriftart gedruckt und wirkt leicht vergilbt, was auf das Alter des Dokuments hindeutet. Die rechte Seite der Buchseite enthält den deutschen Text, der parallel zum französischen Text verläuft. Dieser Abschnitt beginnt mit "Art. I. Menschen..." und behandelt ebenfalls die Rechte von Individuen. Die Artikel sind nummeriert und beschreiben ähnliche Themen wie im französischen Text, einschließlich Freiheit, Eigentum und Widerstand gegen Unterdrückung. Das Papier zeigt typische Alterserscheinungen wie Flecken und leichte Beschädigungen an den Rändern. Die Seiten sind gut erhalten und bieten einen Einblick in die historische Bedeutung dieses Dokuments. Enlarged view:
    Artikel I-V aus "La Constitution françoise" als französiche und deutsche Ausgabe. Foto: USB Köln
  • Das Bild ist eine schwarz-weiß Zeichnung eines Mannes aus dem 19. Jahrhundert. Er hat dunkles, lockiges Haar und einen Schnurrbart. Der Mann trägt eine helle Jacke mit einem dunklen Schal oder einer Krawatte.  Im oberen rechten Bereich der Zeichnung sind handschriftliche Notizen zu sehen, die "Ripfel" und "1845" lauten.  Am unteren Rand befindet sich eine signaturartige Unterschrift, die nicht eindeutig lesbar ist. Enlarged view:
    Hermann Heinrich Becker. Aus seiner Bibliothek stammt der ausgestellte Titel "La Constitution françoise" Foto: Rheinisches Bildarchiv, rba_mf070034, Bildnis von Jakob Voss, Düsseldorf, 1843

Dezember 2025 - Menschenrechte im Fokus 

Zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember rückt die OneBookShow ein Werk in den Mittelpunkt, das die Geschichte Europas nachhaltig geprägt hat: La Constitution françoise von 1791. Die französische Verfassung wurde von der Nationalversammlung am 3. September 1791 verabschiedet. Ihr vorangestellt wurde die am 26. August 1789 verkündete „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“.

La Constitution françoise : proclamée le 18. Septembre 1791 & jours suivans ; avec un récit de ce qui s'est passé à l'occasion de cet acte solennel ; franz. u. deutsch. Réimpr.
Strasbourg: Johann Georg Treuttel ([ca. 1791])
Signatur: G10/5218

Die erste Menschenrechtserklärung Europas

Diese Erklärung eröffnete die Verfassung von 1791. Am 26. August 1789 verabschiedet, formuliert sie erstmals in Europa universelle Menschenrechte. In ihrer Präambel und den 17 Artikeln legt sie auf Grundlage des Naturrechts fest, welche Rechte jedem Menschen zustehen sollten: Freiheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. Sie garantiert zudem Gedanken- und Meinungsfreiheit und fordert Gleichheit vor dem Gesetz.

Rechte – aber nicht für alle

Aus heutiger Perspektive wirkt die Erklärung fortschrittlich und unvollständig zugleich. Denn die garantierten Rechte galten zunächst ausschließlich für männliche Bürger. Frauen und viele gesellschaftliche Gruppen wurden nicht einbezogen.
Trotz dieser Einschränkung gilt die Erklärung als ein Schritt hin zu modernen demokratischen Prinzipien. 2003 wurde das handschriftliche Original von der UNESCO als Weltdokumentenerbe anerkannt.

Ein Buch aus einer bewegten Biografie

Das ausgestellte Exemplar stammt aus der Bibliothek des Juristen Hermann Heinrich Becker (1820–1885). Becker war eine bemerkenswerte Figur seiner Zeit: 1852 im Kölner Kommunistenprozess zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, engagierte er sich nach seiner Entlassung wieder politisch, wurde Abgeordneter der Deutschen Fortschrittspartei und später Oberbürgermeister von Dortmund und anschließend Köln. Seine ursprünglich rund 15.000 Bände umfassende Privatbibliothek vermachte er der Stadt Köln – darunter auch diese eindrucksvolle zweisprachige Ausgabe der Verfassung von 1791.

Sammlungsportal Hermann Heinrich Becker

Bibliothek Hermann Heinrich Becker

Bibliothek - Ort der Erinnerung

Demokratie braucht Erinnerung - Eine Ausstellung im Kontext der Demokratieförderung.
Inschrift auf Heinrich Vogelers Gedenkstein in Worpswede

NOVEMBER | "Der Träumer ging verloren, seine Träume bleiben."

Heinrich Vogeler – Künstler zwischen Jugendstil und Revolution

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    Einband, Vor- und Rückseite von "Jacobsen, Jens Peter: Gesammelte Werke. Band 3"
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    Vorsatzblatt und Dublüre (Dublüre: aufwendig verzierte, wie der Bucheinband gestaltete Innenseite des Buchdeckels)
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    Heinrich Vogeler (1872-1942) Foto: 1897 [Gemeinfrei, Quelle: Wikipedia]

Jacobsen, Jens Peter: Gesammelte Werke. Band 3. Aus dem Dänischen übersetzt von Marie Herzfeld. Florenz und Leipzig: Eugen Diederichs (1905)

Signatur: HTSO20474-3

Ein vielseitiges Talent

Die komplette Gestaltung des Buchschmucks – inklusive des Einbandes – stammt von Heinrich Vogeler (1872–1942). Der Maler, Grafiker, Architekt, Designer und Pädagoge war ein außergewöhnlich vielseitiger Künstler. Neben seinen bekannten Werken aus der Jugendstil-Zeit entwarf er auch Bestecke, Gläser, Möbel, Wandteppiche, Kleidung, Schmuck und Exlibris.

Anfänge in Worpswede

Im Jahr 1894 schloss sich Vogeler der Künstlerkolonie Worpswede an, die bald zu einem Zentrum des deutschen Jugendstils wurde. Schon wenige Jahre später, 1897, begann er sich intensiv mit der Illustration und Buchgestaltung zu beschäftigen.

Zusammenarbeit mit Eugen Diederichs

Ein entscheidender Schritt in Vogelers künstlerischer Laufbahn war die Zusammenarbeit mit dem Verleger Eugen Diederichs, der 1896 seinen Verlag gegründet hatte. Diederichs’ Ziel war es, Büchern durch sorgfältige Gestaltung eine „eigene Seele“ zu verleihen – eine Idee, die Vogeler mit seiner Kunst perfekt umsetzte.
Über seine Arbeit an den Illustrationen zu den Texten des dänischen Schriftstellers Jens Peter Jakobsen schrieb Vogeler später in seinen Erinnerungen:

„Ein glückliches Zusammentreffen, da ich gerade aus dem nordischen Lande kam, erfüllt von Eindrücken, die dieser Illustrationsarbeit zugutekommen mussten.“

Vom Soldaten zum Pazifisten

Der Erste Weltkrieg markierte eine tiefgreifende Zäsur in Vogelers Leben. Als Soldat erlebte er die Schrecken des Krieges hautnah. Diese Erfahrungen machten ihn zum Pazifisten. Er erkannte früh die Gefahren von Nationalismus und Militarismus und entwickelte sich zu einem entschiedenen Gegner des Faschismus.

Hinwendung zum Kommunismus und letzte Jahre

Aus seiner Ablehnung des Faschismus heraus setzte Vogeler seine Hoffnung auf den Kommunismus der Sowjetunion. In den 1920er-Jahren reiste er mehrfach in die Sowjetunion und wurde Mitglied der KPD. 1927 zog er nach Berlin, 1931 schließlich nach Moskau.
Als die deutsche Wehrmacht 1941 vor Moskau stand, wurde Vogeler zwangsweise nach Kasachstan umgesiedelt. Dort starb er verarmt am 14. Juni 1942 in Kornejewka bei Karaganda.

Provenienz des Bandes

Der Band gehörte einst in die Bibliothek der Sammlerin Ida Schoeller (1863-1917). Ihre Bibliothek wurde auf der BUGRA 1914 im Haus der Frau ausgestellt. Zu dieser Zeit war sie die einzige Frau unter den deutschen Bibliophilen, die planmäßig wertvolle Bücher sammelte. 1921 wurde ihre Bibliothek im Antiquariat Joseph Baer versteigert. Dort dürfte der Begründer der Kölner Bibliophilen-Gesellschaft, Hanns-Theo Schmitz-Otto, den Band erworben haben. 

Unser Sammlungsportal hierzu: Sammlung der Familie Schmitz-Otto

Quellen:

OKTOBER | „Teuflische Satire“ – Einband aus der Großbuchbinderei Gustav Fritzsche

Faust junior und die Kunst der Buchbinderei Gustav Fritzsche

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Gesamtansicht des Kunsteinbandes aus der Buchbinderei Gustav Fritzsche

Faust (junior, pseud.): Die Erlösung oder Ende gut, alles gut. Metaphysisches Welten-Drama in fünf Acten. 
Quedlinburg: Christian Friedrich Vieweg, 1885
Signatur: B1104

Ein satirisches Welten-Drama

Das 1885 in Quedlinburg erschienene Werk „Die Erlösung oder Ende gut, alles gut. Metaphysisches Welten-Drama in fünf Acten“ wurde von einem anonymen Autor unter dem Pseudonym „Faust junior“ veröffentlicht. Die bissige Satire nimmt die Philosophie Arthur Schopenhauers und Eduard von Hartmanns aufs Korn. Figuren wie der Wille – ein „alter Dummerjahn“ –, die Idee, das Bewusstsein und Hartmann selbst treten darin auf. Am Ende steht nicht die versprochene Erlösung, sondern der Untergang der Welt.

Der Teufelskopf auf dem Einband

Besonders ins Auge fällt der kunstvolle Einband des Buches: Auf dem Vorderdeckel prangt ein markanter Teufelskopf. Hergestellt wurde dieser Einband in der Leipziger Großbuchbinderei Gustav Fritzsche, die im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten ihrer Art gehörte.

Gustav Fritzsche – Handwerk trifft Industrie

Gustav Fritzsche (1839–1899) gründete seine Werkstatt 1863 mit nur einem Gesellen und einer Hilfskraft. Mit dem Einsatz von Dampfmaschinen nutzte er die Möglichkeiten des technischen Fortschritts und konnte so große Stückzahlen in kurzer Zeit produzieren. Zugleich vernachlässigte er nie die Wünsche seiner Kunden nach individuell gestalteten Einbänden.
Fritzsche verstand es auch, sein Handwerk öffentlich zu präsentieren: Auf Gewerbeausstellungen und bei der Weltausstellung in Philadelphia 1876 wurde er mehrfach ausgezeichnet. 1880 erhielt er nach dem Besuch von König Albert von Sachsen den Titel „Königlich-sächsischer Hofbuchbinder“.

Neben seiner praktischen Arbeit veröffentlichte er das Fachbuch „Moderne Bucheinbände, Sammlung künstlerischer Originalentwürfe“, für das zahlreiche Künstler Zeichnungen beisteuerten. Ab 1889 trat sein Sohn Hugo in das Unternehmen ein, das er bald allein übernahm. Unter seiner Leitung expandierte die Buchbinderei stark: 1894 zog sie in einen viergeschossigen Neubau für 600 Arbeiter, 1900 erfolgte als erste Leipziger Großbuchbinderei die Umstellung auf elektrischen Antrieb. Nach mehreren Zusammenschlüssen endete die Geschichte der Werkstatt tragisch: 1943 wurde sie im Krieg vollständig zerstört.

Die besondere Leistung dieser Buchbinderei bestand in der Verbindung von industrieller Massenproduktion und meisterhafter Handarbeit. So konnte Fritzsche innerhalb von nur 20 Tagen 230.000 Exemplare von Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“  binden und gleichzeitig Auszeichnungen für künstlerische Einzelstücke gewinnen.

Johannes Fastenrath und die Kölner Literatur

Das Exemplar der „Teuflischen Satire“ stammt aus der Bibliothek von Johannes Fastenrath, einem prägenden Kulturförderer in Köln. 1893 war er maßgeblich an der Gründung der Literarischen Gesellschaft beteiligt, die Dichterlesungen, Vortragsabende und die berühmten „Kölner Blumenspiele“ veranstaltete – einen romantischen Dichterwettbewerb nach mittelalterlichem Vorbild.
In seinem Testament von 1908 verfügte Fastenrath, dass seine gesamte Bibliothek der Stadt Köln überlassen werden solle: „als Andenken an mich“. So wurde auch dieses außergewöhnliche Buch mit seinem teuflischen Einband Teil des kulturellen Gedächtnisses der Stadt.

Unsere Sammlungsportale hierzu:

Quellen:

  • Gustav Fritzsche, Koenigl. Sächs. Hofbuchbinder. Leipzig: Richter 1889
  • Gustav Fritzsche, Leipzig, Königlich sächsische Hofbuchbinderei. In: Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild. Erster Theil. Leipzig: Eckert & Pflug 1892.
  • Helma Schaefer: Zur Dauer und Zierde. Gestaltungsgeschichte des Einbandes von 1765 bis 1897. In: Gebunden in der Dampfbuchbinderei. Wiesbaden: Harrassowitz 1994, S. 9-53.
  • Schmidt-Bachem, Heinz: Beiträge zur Industriegeschichte der Papier-, Pappe- und Folien-Verarbeitung in Deutschland. Düren 2009 S. 49-50.

SEPTEMBER| Die Bücher und die Nacht – Jorge Luis Borges

Einblicke in die Welt von Jorge Luis Borges – künstlerisch umgesetzt von Studierenden der Burg Giebichenstein

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    Exemplar Nr. 15 aus einer Auflage von 25, gebunden in der Otto-Dorfner-Werkstatt in Weimar.
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    Grüner Linolschnitte mit sichtbarer Schmetterlingsbindung, einer aus China stammenden Bindetechnik
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    "Mis Libros" - "Meine Bücher" Meine Bücher (nicht wissend, daß ich bin) Sind so sehr Teil von mir wie dies Gesicht ...
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    "Historia de la noche" - "Geschichte der Nacht"

Im September zeigen wir eine Gemeinschaftsarbeit von Studierenden des Fachbereichs Buchkunst der Hochschule für Kunst und Design in Halle aus dem Jahr 2010. Unter dem Titel "Noche-spacio" wurden Gedichte des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges buchgestalterisch in Szene gesetzt.


Noche-spacio : Nacht-Raum /  von Borges, Jorge Luis, Schmidt, Silas, Haefs, Gisbert. - Aufl.: 25 Stück. - 
Halle an der Salle : Hochschule für Kunst u. Design, 2010. - [ca. 22 S.] : Ill.

Signatur: 2N98

Einband und Bindeart

Die Gedichte von Jorge Luis Borges wurden in der Übersetzung von Gisbert Haefs (Carl Hanser Verlag, 1994) als Studienarbeit im Fachbereich Buchkunst bei Prof. Sabine Golde an der Burg Giebichenstein in Halle neu gestaltet.

  • Typografie: Garamond, 12 Punkt
  • Illustrationen: Linolschnitte
  • Bindung: Schmetterlingsbindung, eine aus China stammende Technik, bei der jedes Blatt mittig gefaltet und mit dem vorherigen Blatt verklebt wird. Geöffnet wirken die Seiten wie Flügel eines Schmetterlings.

An der Entstehung des Buches war Silas Schmidt, ein ehemaliger Auszubildender unserer Buchbinderei, beteiligt. Gemeinsam mit Nele Urbanowicz, Anna Andropova, Marianne Nagel und Martin Buhlig übernahm er Satz, Druck, Gestaltung und Bindung.

 Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle

„Buchkunst ist Geschichtenerzählen in optisch und haptischer besonderer Form. Künstlerbücher sind intime Räume aus Wort und Bild, Form und Farbe, Klang und Stille.“
(Prof. Sabine Golde)

Die 1915 gegründete Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ist eine der bedeutendsten Kunsthochschulen Deutschlands. Seit 1989 trägt sie den Namen Burg Giebichenstein – Hochschule für Kunst und Design Halle.
Besonders hervorzuheben: Als einzige deutsche Kunsthochschule verfügt sie über eine Fachklasse, in der Buchgestaltung als künstlerische Disziplin gelehrt wird.

Jorge Luis Borges – Leben und Werk

Jorge Francisco Isidoro Luis Borges Acevedo (1899–1986) war argentinischer Schriftsteller, Dichter, Essayist, Bibliothekar und Übersetzer. Mit seinen phantastischen Erzählungen gilt er als Mitbegründer des Magischen Realismus. Seine Werke inspirierten u.a. Umberto Eco, Michael Ende und Daniel Kehlmann.

Borges stammt aus Buenos Aires, wuchs zweisprachig (Spanisch/Englisch) auf und las schon als Kind englische Klassiker. 1914 zog die Familie in die Schweiz, wo Borges am Collège Calvin Sprachen erlernte. Später studierte er in Cambridge Philosophie, Vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik.

1921 kehrte Borges nach Argentinien zurück und gründete die Zeitschrift Prisma. Ab 1927 folgten mehrere Augenoperationen; schließlich erblindete er vollständig. Dennoch wurde er 1955 Direktor der argentinischen Nationalbibliothek und lehrte ab 1956 englische Literatur an der Universität Buenos Aires.

Für sein Werk erhielt Borges 1980 den Premio Cervantes, die bedeutendste Auszeichnung der spanischsprachigen Literatur. Seine Liebe zur deutschen Sprache führte ihn 1982 nach Deutschland. Borges starb 1986 in Genf.

“Ich habe mir das Paradies immer wie eine Bibliothek vorgestellt. (…) Das Buch ist eine Verlängerung des Gedächtnisses und der Vorstellung.”
(Jorge Luis Borges)

Quelle: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Studienrichtung Buchkunst,  https://www.burg-halle.de/kunst/buchkunst

AUGUST | „Souvenirs, Souvenirs“– Bücher als Mitbringsel

Reiseerinnerung, Kulturobjekt und bibliophiles Souvenir

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    Gesamtansicht mit Vorder- und Rückdeckel des Bandes "Burns, Robert: The complete poetical works. Edinburgh: William P. Nimmo [ca. 1860]"
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    Der lackierte Holzeinband zeigt auf der Vorderseite eine Fotografie mit dem Titel "Dunkeld from Birnam"
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    Auf der Rückseite ein Bild von Murthley Castle. Die Abbildungen sind direkt in das polierte Holz eingelassen.

Unser “August-Buch” ist ein Beispiel für literarische Andenkenkultur des 19. Jahrhunderts und vereint schottisches Kunsthandwerk mit individueller Erinnerung.

Burns, Robert: The complete poetical works.
Edinburgh: William P. Nimmo [ca. 1860]
Signatur: S32/610

Ein Buch als Andenken

Dieses Souvenirbuch aus dem Jahr 1860 gehört zur sogenannten Mauchline Photographic Ware – einer besonderen Form der Buchgestaltung, die im 19. Jahrhundert in Schottland entstand. Der lackierte Holzeinband zeigt auf der Vorderseite eine Fotografie mit dem Titel Dunkeld from Birnam, auf der Rückseite ein Bild von Murthley Castle. Beide Abbildungen sind direkt in das polierte Holz eingelassen. Der Buchrücken besteht aus rotem, reich verziertem Leder.

Das verwendete Holz stammt aus dem Birnam Wood, einem Wald, der in Shakespeares Drama Macbeth literarische Bedeutung erlangte. Verkauft wurde das Buch vom lokalen Buchhändler Anderson in Dunkeld, einer kleinen Stadt in den schottischen Highlands.

Mauchline Ware – Schottisches Kunsthandwerk

Zwischen etwa 1830 und 1930 wurden in Schottland zahlreiche kunsthandwerkliche Gegenstände aus lackiertem Holz hergestellt. Die Bezeichnung Mauchline Ware geht auf den Ort Mauchline im Südwesten Schottlands zurück, wo viele dieser Objekte gefertigt wurden.

Typisch für diese Andenken war die Kombination aus funktionalem Alltagsgegenstand und dekorativem Design: Tabakdosen, Nadelbehälter, Schmuckkästchen – und eben auch Bucheinbände – wurden mit Fotografien, Malereien oder ornamentalen Verzierungen ausgestattet. Solche Objekte waren bei Touristen sehr beliebt.

Orte und Bedeutung

Die in das Buch eingearbeiteten Fotografien zeigen Orte mit landschaftlichem und literarischem Bezug: Dunkeld, eine Kleinstadt am Fluss Tay, und Birnam, etwa zwei Kilometer südlich davon gelegen. Birnam ist vor allem durch Shakespeares Macbeth bekannt: Der dort erwähnte „Birnam Wood“ steht sinnbildlich für das herannahende Schicksal des Titelhelden.Touristen besuchten diese Orte, weil sie sich für die Landschaft und die Kultur interessierten.

Objekt aus dem Besitz von Johannes Fastenrath

Der Kölner Jurist und Literaturförderer Johannes Fastenrath (1839–1908) bereiste gemeinsam mit seiner Frau Luise weite Teile Europas. Als Vorsitzender der Kölner Literarischen Gesellschaft und Initiator der Kölner Blumenspiele war er literarisch interessiert und sammelte Bücher, auch als Reiseerinnerung. Dieses Buch – zusammen mit einem weiteren, ähnlich gestalteten Band (Two hundred and twenty-two popular Scottish Songs, with music, 1872, Signatur: S30/55) – blieb in Fastenraths Privatbibliothek erhalten.

Fastenraths Nachlass in Köln

Johannes Fastenrath vermachte 1908 seine umfangreiche Bibliothek der Stadt Köln, die 1920 mit der Gründung der Universitäts- und Stadtbibliothek in deren Bestand überging. Die beiden genannten Bücher dokumentieren den Geschmack eines wohlhabenden, belesenen Reisenden des 19. Jahrhunderts. Sie zeigen, wie literarisches Interesse, Sammelleidenschaft und Reiselust aufeinandertrafen – und in Objekten wie diesem Buch dauerhaft Spuren hinterließen.

Quelle: Trachtenberg, David; Keith, Thomas: Mauchline Ware. Antique Collector´s Club 2003

Das Sammlungsportal Sammlung Johannes Fastenrath

 

JULI | „Warum ist es am Rhein so schön?“ – Rheinromantik

Rheintourismus im 19. Jahrhundert: Eine literarische Reise mit Paul Baudry

Mit dem Beginn der Sommerferien rücken Urlaubsreisen wieder in den Fokus – Anlass, einen Blick auf den Rheintourismus des 19. Jahrhunderts zu werfen, wie ihn der französische Schriftsteller Paul Baudry in seinem illustrierten Reisebericht beschreibt.

Baudry, Paul: Trois Semaines en voyage: France, Bords du Rhin, Belgique.
Rouen: Mégard & Cie. 1855
Signatur: HTSO22497

Eine Reise entlang des Rheins

Die dreiwöchige Reise des französischen Schriftstellers Paul Baudry (1825–1909) führte ihn von Frankreich aus an die Ufer des Rheins bis nach Belgien. Direkt gegenüber dem Titelblatt seines Reiseberichts befindet sich die erste Illustration, welche den noch unvollendeten Kölner Dom zeigt. Auf den Seiten 132 bis 155 präsentiert Baudry eine detaillierte und eindrückliche Schilderung seiner Eindrücke von Köln.

Buchkunst im Zeitalter der Industrialisierung

Wie in der frühen Phase der Industrialisierung üblich, konnte man Baudrys Buch in verschiedenen Verlagseinbänden erwerben. Das in der Sammlung des Bibliophilen Hanns-Theo Schmitz-Otto befindliche Exemplar weist eine sogenannte Reliure romantique auf. Die Oberfläche des Objekts ist mit einer Schicht aus Papier überzogen, die mit einer Vielzahl goldfarbener Druckmuster versehen ist. Im Zentrum des Objekts befindet sich ein Medaillon, das eine chromolithographierte Malerei (Mehrfarben-Steindruck) zeigt, die einen Wanderer und eine Reiterin vor einer Flusslandschaft darstellt.

Zwischen Exklusivität und Massenproduktion

Obwohl die Einbandform aufwendig gestaltet ist, handelt es sich um ein Erzeugnis industrieller Massenfertigung. Erst der Einsatz neuer Maschinen ermöglichte eine solche Produktion.  Die aufwendige, romantische Ausstattung spiegelt die Stimmung der Rheinromantik jedoch ideal wider.

Der Rhein: Mythos, Grenze und Verbindung

Die Geschichte des Rheins vereint viele Facetten: Mystik, Romantik, Krieg und Frieden, Handel und Industrie. Als geografische Linie verband der Strom europäische Regionen – war in Kriegszeiten jedoch auch Grenze und Trennung. Vom Ursprung in der Schweiz bis zur Mündung in die Niederlande verkörpert der Rhein ein komplexes europäisches Kultursymbol.

Romantisches Reisen: Zwischen Sehnsucht und Bildung

Reisen galt im Zeitalter der Romantik als Bildungsreise, als Weg zur Selbstfindung. Besonders das Wandern erfreute sich großer Beliebtheit. Rheinreisen waren geprägt von der Faszination für geschichtsträchtige Orte – mittelalterliche Städte, Burgen, Ruinen – und von einer Sehnsucht nach einer idealisierten Vergangenheit. Sie kombinierten Erholung und romantische Naturerfahrung mit Mythen und Sagen des Rheinlandes.

Entstehung des Rheintourismus

Aus dieser Mischung aus Entdeckungsfreude, Bildungsdrang und Naturromantik entwickelte sich der Rheintourismus – ein Phänomen, das bis heute nachwirkt und in Werken wie dem von Paul Baudry seine frühen literarischen Spuren hinterlässt.

“Trois Semaines en voyage” ist ein Buch aus unserer Sammlung Hanns-Theo Schmitz-Otto

 

JUNI | „Hatten wir wirklich keine Alternative?“ – Der Schutz der natürlichen Ressourcen Islands

Zum Weltumwelttag am 5. Juni 2025 zeigen wir "Traumland. Was bleibt, wenn alles verkauft ist?"

Islands Schriftsteller im Einsatz gegen Naturzerstörung

„Wer nur alles Alte niederreißt, anstatt eine neue Verwendung dafür zu finden, kappt die Verbindung des Menschen zu der Welt, in der er lebt.“ (S. 109)

Andri Snær Magnason: Traumland. Was bleibt, wenn alles verkauft ist? . - [Freiburg im Br.]: Orange-press, 2011. Signatur: ISL862

Ein erster Aufruf: Halldór Laxness und der Kampf gegen die Naturzerstörung

Um Weihnachten 1970 schrieb der isländische Schriftsteller Halldor Kiljan Laxness (1902-1998), Nobelpreisträger und Träger des Weltfriedenspreises, seinen Essay „Hernaðurinn gegn landinu“ [Krieg gegen das Land], in dem er die Zerstörung und den rücksichtslosen Umgang der Isländer mit der Natur beschrieb.

Neue Generation, gleiche Sorge: Andri Snær Magnason und ‚Draumalandið

Gut 36 Jahre später veröffentlicht der Schriftsteller Andri Snaer Magnason, der sich für den Umweltschutz engagiert, sein Buch „Draumalandið“. In dem Buch kritisiert der Autor die anhaltende Zerstörung des isländischen Naturerbes durch die Anlage künstlicher Stauseen, mit dem Ziel der günstigen Stromgewinnung für die internationale Aluminiumindustrie.

Literatur als Waffe: Der Erfolg von “Draumalandið” über Islands Grenzen hinaus

Das Werk, das in Island auf Anhieb Rekordverkaufszahlen erreichte, wurde mit dem Isländischen Literaturpreis ausgezeichnet, 2009 verfilmt und erhielt 2010 den renommierten KAIROS-Preis der Alfred Toepfer Stiftung. Es wurde in sieben Sprachen übersetzt, 2011 erschien die deutsche Übersetzung. 

Kreativer Widerstand: Mit Fantasie und Poesie für den Schutz der Erde

Bei einer Veranstaltung in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln im Oktober 2011 - in diesem Jahr war Island Gastland auf der Frankfurter Buchmesse - machte Andri Snaer Magnason deutlich, dass er seine Veröffentlichungen „Traumland“, „Love Star“ und „Die Geschichte vom blauen Planeten“ als Trilogie betrachtet, die sein zentrales Thema der Naturzerstörung mit unterschiedlichen literarischen Mittel umkreisen. Der Ausweg, den er zeigen möchte, ist mit Fantasie und Poesie Widerstand gegen Habgier und Vernichtung zu leisten. So erzählte er, wie er sich auch im Theater, im Film und der Musik mit künstlerischen Mitteln auf die Selbstbehauptung in einer menschlichen Welt setzt. Als Beispiel berichtete er von seiner Aktion, in der er den Bewohnern von Reykjavik den Sternenhimmel "zurückgab“: Er erreichte, dass für eine Stunde alle Lichter ausgeschaltet wurden, damit die Sterne zu sehen seien. Gleichzeitig erklärte im Radio der Astronom Þorsteinn Sæmundsson die Sternbilder. Diese Aktion wird auch im Buch beschrieben. Am Ende des Bandes fragt Magnason „Was kann man für Island tun? (S. 268) und möchte mögliche Alternativen aufzeigen. 

“Traumland” ist ein Buch aus unserer Sammlung Islandica >>

 

Buchproduktion in Island

Im Jahr 2024 wurden rund 1.500 neue Buchtitel in Island veröffentlicht, wobei die durchschnittliche Auflage pro Titel etwa 1.000 Exemplare beträgt. Bei einer Bevölkerungszahl von 388.790 Menschen Ende 2024 entspricht dies etwa einem veröffentlichten Buch pro 260 Einwohner. Die große Zahl der in Island veröffentlichten Bücher zeigt, dass Literatur einen besonderen Platz in der isländischen Kultur einnimmt.

(Quellen: Wikipedia, Stand: 29.04.2025)

MAI | „Von der Idee zum Buch“ – Buchgestaltung Eduard Prüssen

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  • Buchcover aus schwarzem Ganzledereinband. Mit einer Silberauflage werden die Köpfe von einem Mann und einer Frau dargestellt, die sich küssen.Mit silberenen Enlarged view:
    Eduard Prüssens Handdruck "Die zweite Novelle des neunten Tages aus dem Decamerone." von Giovanni Boccaccio, 1997
  • Das schwarze Buchcover steckt, halb verdeckt, in einem Buchschuber aus Holz. Enlarged view:
    Buchschuber aus Holz mit Lederrücken.
  • Eine aufgeschlage Seite des Buches: Links ist der Text in roter Schrift zu sehen, rechts ein Radierung in schwarzer Farbe. Dargestellt ist eine Frau mit nacktem Oberkörper, auf deren Kopf ein Hose mit liegt. Enlarged view:
    Prüssens Radierungen in schwarzer Farbe, der Text in roter Farbe.
  • Roter Gewebeeinband über dessen gesamter Länge ein in weiß-rot gestalteter moderer Schriftzug "Boccaccio" angebracht ist. Enlarged view:
    Ein zweites Exemplar aus Prüssens Werkstatt im Gewebeeinband.

Kreativer Gestaltungsprozess: Handdrucke im Selbstverlag “Donkey-Press” von Eduard Prüssen

Boccaccio, Giovanni: Die zweite Novelle des neunten Tages aus dem Decamerone.
Köln: Donkey-Press, 1997
Signatur: PrüssenPress-32-Q

Buchgestaltung: Eduard Prüssen. Die buchbinderische Ausführung übernahm Roland Reuter, Atelier di legatoria, in Weggis/Schweiz.

Im Mai zeigen wir die Sonderausgabe von Boccaccios “Die zweite Novelle des neuten Tages aus dem Decamerone”. Sie verfügt über einen schwarzen Ganzledereinband mit Dekor in Silberauflage. Der Rückentitel ist in Weißgold geprägt. Der dazugehörige Schuber ist im Stil eines Holzdeckels gestaltet und mit Lederecken versehen. Die Radierungen sind in Schwarz, der Text in Rot gehalten. Unter der Signatur 2P36 befindet sich zudem eine weitere Ausführung desselben Titels in einem roten Gewebeeinband.

Gründung des Selbstverlags “Donkey-Press” im Jahr 1962

Eduard Prüssen gründete seinen Verlag “Donkey-Press”, um literarische Werke oder Teilauszüge davon zu illustrieren und zu veröffentlichen. Dabei griff er auf Werke von Oscar Wilde, Ovid, Kleist, Gottfried Keller, Daudet, Rilke, Franz Kafka u.a. zurück. Die Pressendrucke gaben ihm die Möglichkeit, in Handarbeit buchkünstlerisch unabhängig zu arbeiten. Anders als bei Auftragsarbeiten konnte er hier alles selbst bestimmen: Er wählte das passende Papier aus, setzte jede Seite im Handsatz, wobei das Textbild in Form und Farbe genau auf die gegenüberliegende Abbildung abgestimmt ist. Satz und Druckstöcke wurden anfangs sogar mit der Handwalze von Hand eingefärbt, dann Seite für Seite abgezogen. Der künstlerische Handeinband nach seinen Entwürfen schloss den Pressendruck als Gesamtkunstwerk ab.

Eduard Prüssen (1930 - 2019)

1930 wurde Eduard Prüssen in Köln geboren. Seine künstlerische Ausbildung erwarb er an den Kölner Werkschulen. In den Jahren 1953 bis 1955 war er am Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum tätig, anschließend arbeitete er bis 1958  im Kölner Amerika-Haus. Es folgte eine freiberufliche Tätigkeit als Graphiker und Illustrator in seiner Heimatstadt. Der Künstler war von 1971 bis 1996 als Stadtgraphiker in Bergisch Gladbach beschäftigt und in dieser Zeit für das gesamte graphische Erscheinungsbild der Stadt verantwortlich. Anlässlich seines 80. Geburtstags übergab er seine Sammlung der Universitäts- und Stadtbibliothek. Kurz vor seinem 89. Geburtstag verstarb Eduard Prüssen. 

Mit der Übergabe seines künstlerischen Lebenswerks wird der gestalterische Prozess nachvollziehbar – von der ersten Idee über Konzepte und Entwürfe bis hin zum fertigen Buch oder zur abgeschlossenen Grafik. In seinem Vorwort zum Werkverzeichnis, das im Juli 2011 entstand, beschreibt er seine Arbeit als erfüllend und bereichernd.

Zum Sammlungsportal Eduard Prüssen >>

Quellen: 

APRIL | Hybrides Kunstprojekt. Isländisches Klang-Kunst-Buch

April - Monat des Wandels und der Sinneseindrücke …

Das spiegelt sich auch in unserem aktuellen Kunstobjekt wider - Klang, Text und visuelle Elemente verbinden sich zu einem Gesamterlebnis:

Korabiewski, Konrad; Nystøm, Litten; Döring, Roger: 
Påvirket som kun et menneske kan være. Aarhus: Geiger 2010
Signatur: ISLG121

Die limitierte Ausgabe der Gemeinschaftsarbeit “Påvirket som kun et menneske kan være” entstand in Seyðisfjörður (Ost-Island) und wurde von dem Klang- und Medienkünstler Konrad Korabiewski (Łódź, Polen), der dänischen Künstlerin Litten Nystøm und dem deutschen Musiker und Schauspieler Roger Döring geschaffen. Entstanden ist ein Buchobjekt mit Texten, Grafiken und integriertem Klang.

Der Titel bedeutet übersetzt „Beeinflusst, wie es nur ein Mensch sein kann“. Der Betrachter erlebt ein Klanguniversum mit zehn Kapiteln, in denen sich Ton, Musik, Worte, handgemachte Collagen und unterschiedliche Papiersorten zu einer vielschichtigen Erfahrung verbinden. Einige Seiten sind handgedruckt und handbemalt, über anderen liegen gestaltete Folien. Die Klangseite ist ein vielfältiger Ausdruck im Grenzland zwischen elektronischer und elektroakustischer Musik, Lärm, Feldaufnahmen und Text.

In einem Interview mit Anne Marqvardsen für das Magazin Seismograf im Sommer 2011 beschreiben Konrad Korabiewski und Litten Nystøm den Entstehungsprozess und ihre Intention bei der Erstellung des „hybriden Kunstprojektes“:

Litten Nystrøm: „Wir wollten ein cross-artistisches Werk schaffen…. Später war es dann dieses Buch, das die Aspekte enthielt, die wir suchten. Der Ausgangspunkt war nicht, dass es ein Buch werden würde. Die Buchform funktionierte für das, wofür wir es brauchten.“

Konrad Korabiewski: „Wir sind heute schlechter darin geworden, wenn wir die Dinge betrachten, alles muss schneller gehen und effizienter sein … –  wann hat man Zeit, ein Buch zu lesen( ?).“

Die Künstler wollten eine Alternative zu flüchtigen Hörerlebnissen setzen. „Wir wollten die Nähe zwischen Arbeit und Betrachter erkunden.“ (Konrad Korabiewski)

Das Buchobjekt wurde auf mehreren Ausstellungen gezeigt und für den Young Illustrators Award, Illustrative, Berlin und den Best Book-craft/art book of the Year, Denmark nominiert.

Quellen:

Konrad Korabiewski – Composer| Sound| Media Artist: https://www.korabiewski.com/

Litten Nystrøm: https://littennystrom.com/

Marqvardsen, Anne: Lyd – Kunst- Bog. Interview. In: Seismograf 23. Juni 2011: https://seismograf.org/interview/lyd-kunst-bog-korabiewski-litten

 

Das hybride Kunstobjekt von  Korabiewski, Nystøm und Döring zum Ansehen und Hören.

MÄRZ | Frühling. Florale Einbandkunst von Cordula Matthews

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  • Aufgeklappter Kunsteinband aus bemalten Papierstreifen, auf 3 Pergamentbünde geheftet. Bezug: Japanpapier Torinoko Kazu, 104g/m2. Bindung mit grün eingefärbtem Heftzwirn. Enlarged view:
    Fröhlich, Anne Marie: Gärten. Zürich: Manesse-Verlag 1993, Signatur: 12B2739 in einem Kunsteinband aus bemalten Papierstreifen, mit edlem Japanpapier-Einband und klebstofffreier Heftbindung.
  • Foto der Buchkassette mit Ansicht auf den Kassettenrücken. Darauf ist der Buchtitel "Gärten" in Bronzefarbener Schrift und am unteren Ende das Signaturenschild mit der Signatur 12B2739 angebracht. Enlarged view:
    Buchkassette, bezogen mit schilfgrünem Mattleinen.
  • Aufgeklappte Buchkassette mit dem Kunsteinband auf der linken Seite. Enlarged view:
    Buchkassette, bezogen mit schilfgrünem Mattleinen.
  • Portraitfoto von Cordula Matthews Enlarged view:
    Cordula Matthews, Buchbindemeisterin und Ausbilderin in der USB Köln.

GÄRTEN. Texte aus der Weltliteratur im gewebten Kunsteinband 

Im März präsentieren wir in der #OneBookShow einen experimentell gewebten Papier-Einband unserer Kollegin Cordula Matthews aus dem Jahr 2005. Die Buchbindemeisterin nimmt mit ihrem Entwurf Bezug zur Textsammlung „Gärten“ von Anne Marie Fröhlich, wie Farbskala des Papiers und Einbandtechnik erkennen lassen. 

Fröhlich, Anne Marie: Gärten : Texte aus der Weltliteratur. - Zürich: Manesse-Verl. 1993. - 461 S., Ill. 
Signatur: 12B2739

Der Einband besteht aus Papierstreifen, die miteinander verwoben sind. Dafür wurde Japanpapier (Torinoko Kazu, 104g/m2) eingefärbt. Der Buchblock ist mit grünem Heftzwirn auf Pergamentbünde geheftet und klebstofffrei. Innen befinden sich Vorsatzblätter aus Hahnemühle-Skizzenpapier. Der Buchblock ist ebarbiert, d.h. die Bögen des Buchblocks wurden einzeln mit der Papierschere beschnitten. Zwischen den vier beweglichen Rückenabschnitten bleibt die grüne Heftung sichtbar. Cordula Matthews verwendete für die Titelprägung auf dem Buchrücken eine Metallfolie im Farbton Bronze. 

Die Buchkassette ist passend zum Einband mit schilfgrünem Mattleinen (Princesse, Peyer Nr. 6121) bezogen. Spiegel und Titelschild sind aus Japanpapier Torinoko Kazu.

Beides, Einband und Kassette, entstanden im Auftrag der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln und wurde im Rahmen einer Ausstellung zum 10. Treffen des Arbeitskreises für die Erfassung und Erschließung historischer Bucheinbände (AEB) in Köln vom 22. bis 24. September 2005 präsentiert. 

Natur als Inspiration für Einbandgestaltung

Die Natur in ihrer Vielfalt, Farbenpracht und Schönheit war schon immer beliebte Inspiration für Kunst und Mode. Auch bei der Einbandgestaltung kamen florale Motive (Blüten, Blätter, Blumen, Stauden u.a.) als dekorative Zierelemente zum Einsatz. Anfangs eingeprägte Einzelstempel, Rollen oder Platten ohne Farbe oder Vergoldung, die alleine durch ihre detaillierte Darstellung ansprechend wirkten. In der Renaissance waren es dann z.B. üppig vergoldete Blütenmeere, die den ganzen Einband bedeckten oder filigran gesetzte Dublüren. Cordula Matthews hat mit ihrem Kunsteinband die Erzählungen, Gedichte und Essays zum Thema “Gärten” im wörtlichen Sinn zu einem "Gewand des Buches" verwoben.

Quelle: Digitale Einbandsammlung 

 

FEBRUAR | Kölle Alaaf. Frauen im Kölner Karneval des 19. Jahrhunderts

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  • Vorder- und Rückseite des Liederheftes zum Damen-Comitee am 2. Februar 1895 im Viktoria-Saale Enlarged view:
    Vorder- und Rückseite des Liederheftes zum Damen-Comitee am 2. Februar 1895 im Viktoria-Saale
  • Enlarged view:
    Rückseite des Liederheftes mit einer Columbine (=weiblicher Harlekin)

Liederheft zum Damenkomitee in der Session 1895

Im Februar zeigen wir ein originales Liederheft der Karnevalsgesellschaft Kölner Funken-Infanterie aus dem Jahr 1895. Diese Gesellschaft, gegründet 1823 und bekannt als „Rote Funken“, spielte eine zentrale Rolle in der Gestaltung der Kölner Karnevalstradition. Das Heft, herausgegeben von den Gebrüdern Brocker, enthält die Lieder für eine Sitzung des Damen-Comitees, die am 2. Februar 1895 im Viktoria-Saal am Waidmarkt stattfand – natürlich mit anschließendem „Tänzchen“.

Lieder zum Damen-Comitee am 2. Februar 1895 im Viktoria-Saale, mit nachfolgendem Tänzchen.
Köln: Gebrüder Brocker, 1895
Signatur: RHKG377-1886/1900

Zur Zeit des Erscheinens des Hefts war der Eisenbahningenieur Karl Bormkessel (genannt "Brummpott") Präsident (1887 bis 1899). Erste Damenkomitees in Köln gab schon in den 1830er Jahren. Über zehn Jahre später veranstalteten die Karnevalsvereine jeweils reine Herren- und Damensitzungen, so konnte das Programm dem jeweiligen Publikum angepasst werden. 

Die Lieder trugen erheblich zur Stimmung bei und waren so wichtiger Bestandteil jeder Sitzung. Die größeren Karnevalsgesellschaften druckten sie daher in Liederheften. In den 1880er Jahren war es üblich, für jede Sitzung ein Liederheft vorzulegen. Am Ende der Session wurden diese zu einem Jahr- und Liederbuch zusammengebunden und verkauft.  Die größeren Gesellschaften sammelten diese Hefte, die später zu beliebten Souvenirs oder Geschenken für Gäste wurden, die als Nichtmitglieder an bestimmten Veranstaltungen teilnehmen durften. 

Bei der Uraufführung des Funkentanzes am Rosenmontag, 25.02.1895, trat das erste weibliche Funkentanzmariechen des Karnevals auf, das lange Zeit die einzige Frau in dieser Rolle bleiben sollte. 

(Quelle: Die Geschichte der Roten Funken - Geschichte der Soldaten der „Freien Reichsstadt Cölln“ genannt „Rote Funken“ vun 1873 bis1897)
 

Mehr zur Rheinischen Kulturgeschichte finden Sie in unseren Sammlungen:

Sie interessieren sich für Kölsche Lieder? Dann ist die Liedersammlung der Akademie för uns Kölnsche Sproch eine gute Anlaufstelle für Sie! Dort kann man nach 15.000 Titel recherchieren, die Liedtexte im Suchergebnis werden dann in Originalfassung, angepasster Schreibweise und deutscher Übersetzung angezeigt.

JANUAR | Moderne Einbandkunst. Nicht nur Papier, Leder & Pergament

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Kunsteinband von Silas Schmidt (2009) Foto: Catrin Blachani, USB Köln
Kunsteinband aus Aluminiumdosen von Silas Schmidt (2009)

Experimenteller Bucheinband von Silas Schmidt. 2009 war er noch Auszubildender in unserer Buchbinderwerkstatt. Während seiner Ausbildung zum Buchbinder der Fachrichtung Einzel- und Sonderanfertigung nahm er zwischen 2007 und 2009 sehr erfolgreich an mehreren internationalen Bucheinbandwettbewerben teil. 2009 wurde er u.a. als "Winner over all" in Edinburgh ausgezeichnet. Danach studierte Silas Schmidt bis 2015 an der Burg Giebichenstein, Kunsthochschule Halle. Seit 2016 ist er freischaffender Künstler.

Die zusammengepressten Aluminiumdosen sind mit einem Draht verbunden und auf der eigentlichen Einbanddecke montiert. Der verschlungene Draht mit dem Stay-on-Tab-Verschluss der Dosen dient als flexibles und verbindendes Rückenelement. Befestigt wurde der Kunsteinband auf: 

Wilhelm Tell / von Schiller, Friedrich, Baumberger, Otto. - Zürich : Silva-Verl, 1955. - 133 S. : zahlr. Ill, Signatur: 14B3253

Dieses Buch stammt aus der Sammlung Dr. Gernot Uwe Gabel (1941-2024). Silas Schmidt hat den Einband für die USB-Ausstellung zum 250. Geburtstag von Friedrich Schiller (1759-1805) gestaltet: "Der bebilderte Schiller. Illustrationen des 19. und 20. Jahrhunderts". 

Buchkunst - zwischen Tradition und Innovation

Im 19. Jahrhundert erlebte der Buchmarkt eine Revolution: Der individuelle Handeinband, ein Symbol für Kreativität und Kunstfertigkeit, wurde zunehmend von preiswerten, maschinell produzierten Verlagseinbänden aus Leinengewebe verdrängt. Die Einbände verloren dabei ihren einzigartigen Charakter.

Doch nicht alle Verleger*innen ließen sich davon beeindrucken. Sie beauftragten Maler*innen, Grafiker*innen und Architekt*innen damit, außergewöhnliche Einbände und kunstvollen Buchschmuck zu gestalten. So entstanden Werke, die durch ihre Vielfalt und Liebe zum Detail glänzten – für jeden Geschmack und Geldbeutel. Diese Tradition lebt bis heute fort. Somit bereichern besonders gestaltete Verlagseinbände oder in kleiner Auflage produzierte Buchobjekte den Buchmarkt.

Der individuelle Handeinband als Kunstform

Die moderne Buchkunst verbindet Wort und Bild auf einzigartige Weise und versteht die Buchgestaltung als ganzheitliches Erlebnis. Ein Einband kann den Text umschmeicheln und ihm ein „Gesicht“ verleihen – oder ganz bewusst in Kontrast dazu stehen, ihn hinterfragen oder sogar ignorieren.

Künstlerbücher gehen noch einen Schritt weiter: Hier tritt der Text oft in den Hintergrund oder verschwindet vollständig. Das schafft Platz für eigenständige, experimentelle Ausdrucksformen.

Bei den Materialien sind der modernen Einbandkunst nahezu keine Grenzen gesetzt, natürliche wie künstliche Werkstoffe sind möglich. Es geht nicht nur darum zu illustrieren, sondern etwas Eigenständiges zu kreieren: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar.“  (Paul Klee, Maler und Grafiker, 1879-1940)

#OneBookShow im Foyer

Einlass

Sie können die Ausstellung auch ohne Bibliotheksausweis besuchen. Die Vitrine zur #OneBookShow finden Sie hinter den Büchertauschregalen. Der Eintritt ist frei!

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag von 8 bis 22 Uhr | Samstag und Sonntag von 8 bis 21 Uhr

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