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8. April 2026 - Tag der Provenienzforschung

Spuren eines Frauenklosters in der Kölner Gymnasialbibliothek

"Diß Buch gehört ins Lämbgen auff die Burgmawr"

Am 8. April, dem Tag der Provenienzforschung, erinnern wir an die kulturelle Bedeutung vergessener Bibliotheken. Beispielsweise war das Kölner Frauenkloster „Zum Kleinen Lämmchen”, auch „Lämmchen auf der Burgmauer“ genannt, Teil der reichen Klosterkultur im Rheinland. Das zwischen 1487 und 1499 gegründete Frauenkloster wurde bis zu seiner Aufhebung 1802 von Augustinerinnen bewohnt. Sein Standort war einst auf dem Areal des heutigen Appellhofplatzes. 

Trotz der wenigen überlieferten Informationen über die Bibliotheken, zeigt unser aktuelles Erschließungsprojekt „Klöster im Kölner Raum“, wie viel sich aus verstreuten Spuren rekonstruieren lässt. Die 37 Druckwerke, darunter wuchtige theologische Werke jesuitischer Autoren, stammen aus Schenkungen der beiden Beichtväter Theodor von Elmpt (1689) und Johannes Sütgen (1713). Diese Bücher, die heute in der Gymnasialbibliothek aufbewahrt werden, geben Einblicke in das intellektuelle Leben der Augustinerinnen. Obwohl die Bibliothek kein eigenes Signatursystem besaß und wohl nicht systematisch erweitert wurde, zeigt sie, welches theologische Fachwissen in dem Frauenkloster verfügbar war. 

Das Projekt "Klöster im Kölner Raum" untersucht insgesamt 18 ehemalige Klosterbibliotheken in Köln und Umgebung. Die digital zusammengetragenen Bestände werden künftig Wissenschaftler*innen, Studierenden und allen Interessierten zur Erforschung offenstehen. Dies ist eine Einladung besonders an junge Forschende, sich mit der Geschichte der Wissensvermittlung auseinanderzusetzen.

Das Projekt “Klöster im Kölner Raum” wird gefördert durch den Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds.

Vollständiger Artikel ab 08. April 2026 in “Retour - Freier Blog für Provenienzforschende”: Diß Buch gehört ins Lämbgen auff die Burgmawr. Spuren eines Frauenklosters in der Kölner Gymnasialbibliothek


Januar 2026 – Haloerscheinung über Köln vor 455 Jahren

Am 26. Januar 1571 beobachteten Kölnerinnen und Kölner ein seltenes Naturphänomen: Drei Sonnen und drei Regenbögen erhellten den Himmel über dem Rhein. Dieses spektakuläre Ereignis wurde in einem Einblattdruck festgehalten, der bis heute erhalten ist.

Das Phänomen vom 26. Januar 1571

Die Haloerscheinung  wurde gleich von zwei verschiedenen Druckereien produziert:

  • Eine Version stammt aus Augsburg von Hans Moser, einem Briefmaler und Drucker.
  • Die andere Version, die hier gezeigt wird, stammt aus Frankfurt am Main von Anthony Cortois [Corthoys].

Wissenschaftliche Erklärung

Haloerscheinungen entstehen durch Reflexion und Brechung des Lichts an Eisnadeln in hohen Schichten der Atmosphäre. Die für Haloerscheinungen verantwortlichen Kristalle bilden sich erst bei Temperaturen von unter -10°C, diese treten in der Atmosphäre aber nicht nur im Winter auf.

Was ist ein Einblattdruck?

Ein Einblattdruck ist eine einzelne gedruckte Seite, oft mit einer Abbildung und einem kurzen Text, die als Flugblätter oder Einzelblätter verbreitet wurden. Diese Drucke dienten häufig dazu, aktuelle Ereignisse oder besondere Vorkommnisse zu dokumentieren und zu verbreiten. Der hier gezeigte Einblattdruck gehört zu unserer  Sammlung Rheinland.

Historische Aufzeichnungen

Schon aus dem Jahr 464 v. Chr. liegen römische Aufzeichnungen zu diesen Himmelserscheinungen vor. Das Buch der Historia Naturalis vom römischen Naturforscher C. Plinius Sekundus enthält eine Zusammenfassung von mehreren Halobeobachtungen im Altertum sowie den damaligen Wissensstand über diese Phänomene.

In der Antike und im Mittelalter galten Haloerscheinungen oft als „böses Omen“, etwa als Vorboten von Kriegen, Verbrechen oder (Natur-)Katastrophen. Sie wurden auch als Teufels- oder Hexenwerk interpretiert. Gleichzeitig konnten sie aber auch als „göttliche Zeichen“ positiv gewertet werden.

Eine erste wissenschaftliche Erklärung der Haloerscheinungen um Sonne und Mond gab der französische Philosoph René Descartes (1596–1650) Mitte des 17.Jahrhunderts. Genauere Erläuterungen fanden jedoch erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts statt. Mit Hilfe moderner Technologien konnten dann auch verschiedene Arten von Halos benannt werden.

Restaurierung des Einblattdrucks

Im Jahr 2019 konnte der Einblattdruck dank der Förderung der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft restauriert werden. Diese Maßnahme sichert das historische Dokument für zukünftige Generationen.

Fazit

Die Haloerscheinung vom Januar 1571 ist nicht nur ein faszinierendes Beispiel für die Dokumentation historischer Ereignisse durch Einblattdrücke, sondern auch ein Zeugnis für das frühe Interesse an naturwissenschaftlichen Phänomenen.

Quellen:


Januar 2026 – Restitution aus der Sammlung Georg und Gerlinde Bachem

Zum Jahreswechsel konnten wir einen Band aus der Sammlung Georg Andreas und Gerlinde Bachem an die Fürstlich Stolberg-Roßlasche Bibliothek zurückgegeben. Bei der Katalogisierung entdeckte unsere Altbestand-Katalogisiererin Lucia Müller einen auffälligen Stempel: „Gräfl. Stolb. Bibliothek z. Rossla“.

Recherchen der Kollegin ergaben, dass Bücher mit diesem Stempel bereits im Händel-Haus in Halle als unrechtmäßig erworben identifiziert wurden.

Die Bodenreform von 1945 führte zur Enteignung des Fürsten zu Stolberg-Roßla ohne Entschädigung. Das Schloss Roßla und die umfangreiche Hofbibliothek gingen in den Besitz der Gemeinde über. Teile dieser Bibliothek wurden später auch nach Westdeutschland verkauft. Der Band gelangte über private Sammler schließlich in unseren Bestand.

Mehr dazu unter: Provenienzforschung und Restitutionen